Publikationen

Stadtmagazin Schwentinental 3-2018 / NABU

Insektenfreundlicher Schaugarten

Wie kann ich meinen Garten insektenfreundlich gestalten, welche Pflanzen und Baustoffe sind vorteilhaft für Insekten, welche nicht? Sieht ein insektenfreundlicher Garten zwangsläufig verwildert aus, oder muss ich nicht auf Rasenflächen verzichten?

Welcher Gartenfreund hat sich diese Frage(n) noch nicht gestellt? Wir möchten dabei helfen und haben aus diesem Grunde die Stadt Schwentinental darum  gebeten, uns eine Fläche im Bereich des Schwentineparks, also gut erreichbar für interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger, zur Verfügung zu stellen. Wir würden die Fläche, die im Idealfall so groß wie ein durchschnittlicher Hausgarten ist, gerne so herrichten, dass ein insektenfreundlicher Garten entsteht, der aber trotzdem noch als Nutzgarten zum Spielen und Verweilen taugt. Es soll ein Garten entstehen, der Insekten (und natürlich auch anderen Lebewesen wie z. B. Vögeln, Reptilien und Amphibien) über das ganze Jahr als Lebensraum und Nahrungsquelle dient und in dem es auch Möglichkeiten zur Überwinterung gibt. Damit ist keineswegs eine einfache Blühwiese gemeint, sondern es soll sich um einen auch optisch ansprechenden Garten handeln, wie man es sich für seinen eigenen Hausgarten auch vorstellen könnte. Bestandteile wären beispielsweise Staudenbeete mit heimischen Blühpflanzen, Frühblüher, Sommerblüher, Spätblüher, heimische Heckenpflanzen (auch Beerensträucher), eine Trockenmauer aus Natursteinen, ein Weg aus Natursteinen, eine angedeutete Terrasse aus Natursteinen, eine Rasenfläche, Obstbäume etc., je nach Flächengröße und Möglichkeiten.

Für dieses Projekt können derzeit Fördergelder eingeworben werden. Die Pflege und Gestaltung würden Naturfreunde des NABU übernehmen, die Herrichtung der Fläche könnte in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen umgesetzt werden. Bisher warten wir noch auf eine Antwort der Verwaltung.

Trockenmauer

Gut eingewachsene Trockenmauer, Quelle: NABU/Dennis Mihlan

Stadtmagazin Schwentinental 2-2018 / NABU

Stunde der Wintervögel 2018 – Kohlmeise legt zu, Amseln rückläufig

Nach den bisher eingegangenen 46.000 Meldungen zur diesjährigen Stunde der Wintervögel, konnten knapp 1,8 Millionen Vögel gezählt werden. Nach dem massiven Rückgang der Meisenarten im letzten Jahr haben sich diese etwas erholt, dafür wurden fast 25%  weniger Amseln gesichtet.

Insgesamt wurde pro Garten ein Fünftel mehr Vögel beobachtet. Nachdem im Vorwinter die Zahlen um 15 Prozent abgenommen hatten, ist also mehr oder minder wieder der Normalstand erreicht. Prozentual am stärksten zugelegt haben Haubenmeise und Kernbeißer, ihre Beobachtungen verdreifachten sich (beide sind im Kreis Plön eher selten anzutreffen, hier gab es lediglich 64 Sichtungen des Kernbeißers und nur 13 der Haubenmeise). Wie sehr die Gesamtanstiege auf Wintergäste aus dem Norden und Osten zurückzuführen sind, und wie viel auf die bei uns nur mäßig Früchte tragenden Waldbäume, lässt sich auf die Schnelle nicht sagen.

Das bedeutet aber keineswegs Entwarnung, was die Vielfalt und Anzahl der Vögel in unseren Gärten und in der Natur angeht. Die Gesamtzahlen bewegen sich nach wie vor auf einem erschreckend niedrigen Niveau, sie zeigen deutlich, dass wir für mehr Vielfalt und natürliche Strukturen in unserer (Kultur-)Landschaft sorgen müssen. Vögel sollten zu jeder Jahreszeit ausreichend Nahrung und geeignete Lebensräume finden. Durch den großflächigen Einsatz von Herbiziden wie zum Beispiel Glyphosat und Insektiziden auf vielen Ackerflächen wird die Nahrungsgrundlage vieler Vögel vernichtet. Ohne Insekten, die gerade für den Vogelnachwuchs die Hauptnahrungsquelle sind, werden auch die Vogelzahlen weiter rückläufig sein.

ApfelAmsel

Amsel (Turdus merula) mit Winterapfel in Schwentinental, Quelle: NABU/Dennis Mihlan

Stadtmagazin Schwentinental 12-2017 / NABU

Alle Jahre wieder, quillt der Müll über…

Weihnachten, das Fest der Liebe wird alljährlich auch immer mehr zum Fest des Mülls. Regelrechte Berge von Geschenkpapier, Tüdelband und anderen Kunststoffverpackungen bescheren uns neben den angenehmen Geschenken auch wieder volle Mülltonnen und prall gefüllte Gelbe Säcke.

Doch was kann man tun, wenn der Weihnachtsmann neben den schönen Dingen auch noch jede Menge Müll im Gepäck hat?

Auf das Auspacken der Geschenke möchte niemand verzichten, erst recht nicht die Kleinen, aber muss es immer alubeschichtetes Schmuckpapier sein, oder tut es auch Geschenkpapier aus Recyclingmaterial? Wem das Ganze zu eintönig ist, der kann es phantasievoll bemalen oder mit Gebäck und Zweigen bekleben. So bekommt die Verpackung auch gleich einen individuellen Touch.

Und was ist mit der Eigenverpackung der Geschenke? Die lässt sich in den meisten Fällen nicht einsparen, da sie nun mal vom Werk mitgeliefert wird. Da ließe sich schon beim Einkaufen etwas steuern, in dem man die Präsente anhand der Verpackung auswählt – bei verschiedenen gleichartigen Artikeln sollte das grundsätzlich möglich sein. Zumindest sollte der anfallende Abfall dann aber ordnungsgemäß getrennt und dem Recycling zugeführt werden. Oder man fragt sich gleich, ob das Geschenk überhaupt wirklich benötigt wird?! Weihnachten bedeutet nicht nur Besinnlichkeit, sondern auch jedes Jahr Konsum pur. Es wird ohne Ende gekauft und verschenkt, viele Geschenke landen direkt im Keller oder auf dem Dachboden und das tausendste Spielzeugauto fristet sein Dasein im Kinderzimmer. Kaufen und verschenken Sie bewusst und vergessen sie nicht, dass jedes Geschenk produziert, transportiert und irgendwann entsorgt wird: Rohstoffe, Energie und menschliche Arbeit stecken hinter jedem Kauf.

Auch den Kauf eines Weichnachtbaumes kann man nachhaltig angehen. Auch wenn heute viele Plastik-Weihnachtsbäume verkauft werden: Besser, man bleibt beim guten alten echten Baum. Bäume aus Kunststoff nadeln zwar nicht, belasten aber die Umwelt und enden irgendwann als Plastikmüll in der Tonne. Echte Weihnachtsbäume dagegen lassen sich problemlos zu Humus verarbeiten – ob im heimischen Garten oder im Kompostwerk. Ganz wichtig ist jedoch, dass der gesamte Baumschmuck entfernt und kein Dekorationsspray benutzt wird. Bäume mit Glitzerspray können zum Beispiel nicht kompostiert werden, Giftstoffe aus Lametta und anderem Baumschmuck gelangen in den Kompost. Beim Weihnachtsbaum sollte man sich für einheimische Fichten, Kiefern oder Tannen entscheiden. Das ist umweltfreundlicher als die Wahl nicht heimischer Blaufichten, die in Weihnachtsbaumplantagen gezüchtet werden – in der Regel unter hohem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Unter Umweltgesichtspunkten schneiden Weihnachtsbäume aus dem heimischen Forst und natürlich Öko-Weihnachtsbäume am besten ab. Mit Glück bekommt man sogar einen Weihnachtsbaum aus dem eigenen Ort, oft gibt es Anbieter, die Bäume von eigenen Flächen, oft ohne jegliche Kulturmaßnahmen wie Spritzen oder Hacken anbieten. Hier werden dann auch gleich noch die Transportwege gespart.

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Weihnachten, auch ein Fest des Mülls – Foto: NABU/Helge May

Stadtmagazin Schwentinental 10-2017 / NABU

Wild und voller Leben

In vielen Gärten haben Wildpflanzen kaum noch Platz. Hier dominieren Kulturpflanzen, die durch Züchtungen aus den alten Wildpflanzen hervorgingen. Viele Gärtner empfinden Wildpflanzen als störend, manche werden akribisch entfernt – dabei können sie mit Vorzügen aufwarten, die ihre gezüchteten Kollegen erblassen lassen.

Als Gärtner haben wir es in der Hand, wie unser eigenes Stück Natur aussehen soll. Wählen wir wilde, heimische Arten? Dann werden wir belohnt: durch satte Düfte, leuchtende Blüten und eine Fauna, die staunen lässt. So zum Beispiel die Wildrose(n).

Kaum eine andere Blütenpflanze unserer Breiten beschäftigte und faszinierte mehr Gärtner, als die Rose. Wunderschön, aber wehrhaft, hat sie in vielen Gärten einen Platz gefunden. Manche als üppige Hecke, andere als Hochstamm mit gefüllten Blüten. Eine wie die andere entfachen sie bei so manchem Gärtner ungeahnten Ehrgeiz.
Viele Gärtner bevorzugen Rosen mit möglichst opulenten Blüten, betörendem Duft und ausladendem Blattwerk. Meist ist die Realität jedoch ernüchternd und die Rosen fristen ein mehr oder weniger unspektakuläres Dasein. Die Gründe können vielfältig sein. Anspruchsvolle hochgezüchtete Sorten verlangen nach bestimmten Bodenverhältnissen, ausreichend Wasser und den richtigen Pflanzpartnern. Schnell werden die empfindlichen Sorten von Krankheiten und Pilzen wie dem Rosenrost, dem Falschem und dem Echtem Mehltau und anderen niedergestreckt.
Möchte man allerdings eine duftende Blütenpracht, dichtes Laub und vielleicht noch die ein oder andere Zusatzfähigkeit haben, sollte man sich auch einmal mit unseren heimischen Wildrosen beschäftigen. Diese sind nämlich nicht nur robuster bei anhaltender Trockenheit, sondern auch weitaus weniger oft von Blattläusen, Pilzen und anderen Krankheiten betroffen. Ein weiterer klarer Vorteil der Wildrosen ist, dass sie intensiv duften und in nahezu jeder Form den Garten oder den Balkon bereichern können.

Viele hochgezüchtete, stark gefüllte Sorten produzieren aufgrund ihrer Sterilität keine Hagebutten. Dies beraubt einen weiteren Liebhaber der Rosen einer Nahrungsgrundlage: Die Vögel nutzen die Hagebutten über den Winter bis in der Frühling als Nahrung. Jeder kann also auch als Rosenfreund der Natur helfen! Sowohl Vögel als auch Insekten profitieren sehr von der duftenden Schönheit.

Wer sich nun eine solche Rose gönnen möchte, sollte unbedingt auf gute Qualität achten. Eine Rose aus gesicherter Herkunft und optimalerweise in Bio-Qualität. Diese Rosen bekommt man zum Beispiel in regionalen Baumschulen, die gebietsheimische Gehölze produzieren. Weitere Quellen können Märkte und Nachbarschaftsinitiativen sein. Etwas Recherche zahlt sich hier in jedem Fall aus.

Wer einen Garten hat, der kennt sie gut: Wildkräuter, manchmal auch Unkräuter genannt. Doch diesen Namen tragen sie zu Unrecht. Denn die Wildkräuter sind besonders wichtig für Insekten und andere Tiere – und auch wir Menschen können von Löwenzahn, Spitzwegerich und Co. profitieren, denn oft stecken in ihnen heilsame Kräfte. Unsere Vorfahren wussten, die Wildkräuter in Küche und Hausapotheke einzusetzen. Zeit, das fast vergessene Wissen aufzufrischen. Ein gutes Beispiel ist der oft zu Unrecht verteufelte Giersch.

Drei Teile hat das Blatt und ist wiederum noch einmal dreigeteilt, der Stängel der Pflanze ist ebenfalls dreikantig. Hat man den Giersch sicher bestimmt, kann er als Heilkraut und Salatbeigabe oder wie Spinat zubereitet sehr gute Dienste für die Gesundheit tun. Sein lateinischer Name Aegopodium podagraria beschreibt seine Eigenschaften als entsäuerndes Kraut, übersetzt bedeutet er „die Gicht heilend“. Bei Übersäuerung und den daraus resultierenden Krankheiten, wie der Gicht, ist der Giersch eine sehr große Hilfe. Die Mineralien im Giersch neutralisieren die Harnsäure und können so nicht nur Gicht, sondern auch Gelenkschmerzen und andere Beschwerden mildern.
Wie viele andere Wildkräuter birgt der Giersch eine Vielzahl an Vitaminen und Mineralien und trägt zur Entgiftung des Körpers bei. Außer uns Menschen lieben ihn auch die Tiere. Viele Falter wie der Dukatenfalter oder der Kleine Eisvogel nutzen den Giersch als Nektar- oder Raupenfutterpflanze. Auch als Bienenweide sind die Blüten des Gierschs geeignet. Wenn Giersch also im Garten auftaucht, sollte man den Faltern und Bienen nicht alles wegfuttern, auch wenn es schwerfällt.

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Wildbiene auf Essigrose – Foto: NABU/Eric Neuling

Stadtmagazin Schwentinental 9-2017 / NABU

Umweltbewusst Grillen

Sommerzeit ist Grillzeit, dabei stehen Genuss und Geselligkeit im Vordergrund. Denken Sie beim Grillen auch an die Umwelt? Es ist ganz einfach, das Grillvergnügen umweltfreundlich zu gestalten. Mit ein paar Kleinigkeiten, die es zu beachten gilt, lässt sich jeder Grillabend so gestalten, dass er nicht unbedingt zu Lasten der Natur geht.

Beim Grill selbst fängt der Nachhaltigkeitsgedanke an. Um unnötigen Abfall oder Schrott zu vermeiden, sollte auf Einweggrills verzichtet werden. Herkömmliche, langlebige Grills aus Metall oder gemauerte Grillkamine sind hier klar im Vorteil, mit der nötigen Pflege halten diese ewig. Für die Herstellung von Einweggeschirr, egal ob aus Papier/Pappe oder Kunststoff, werden unnötig Energie und Ressourcen verbraucht und nach einer Minimalnutzung von meist nur einem Essen kommen diese in den Müll. Im eigenen Garten sollte stets auf das normale Geschirr zurückgegriffen werden, und auch für den Grillausflug sollte dieses, oder alternativ Camping- oder anderes Hartplastikgeschirr genutzt werden. Muss es trotzdem einmal Einweggeschirr sein, stehen natürliche Alternativen bereit. Etwa Schalen aus Palmblättern von Leef oder vom Greenway Store. Diese sind unbehandelt und vollständig kompostierbar. Leicht, stabil und sogar ofen- und mikrowellentauglich. Auch sie können, in gewissem Maße, gesäubert und als Mehrweggeschirr verwendet werden.

Wenn es denn kein Gas- oder Elektrogrill sein soll, geht es mit der Kohle weiter: Jedes Jahr landen tausende Tonnen Holzkohle auf Deutschlands Grills. Dabei wird leider auch viel Tropenholz verfeuert, denn ein großer Teil stammt aus Südamerika und Afrika, zumeist aus den Tropenwäldern Paraguays und Argentiniens. Für unseren Grillgenuss werden also tropische Wälder abgeholzt und zu Holzkohle weiterverarbeitet. Zwar sind viele Grillholzkohle-Verpackungen mittlerweile mit dem Vermerk „Kein Tropenholz“ versehen, doch hat man – im Gegensatz zu Möbelholz – kaum eine Chance zu überprüfen, welche Baumart gefällt wurde. Da Tropenwälder einen wichtigen Beitrag für das Weltklima und den weltweiten Artenschutz leisten, sollte prinzipiell auf Grillkohle aus Tropenwäldern verzichtet und besser Grillkohle aus heimischen Laubholz verwendet werden. Hilfreich können hier die FSC oder Naturland-Siegel sein. Sie stehen für eine nachhaltige Forstwirtschaft und die Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien bei der Herstellung. Das DIN-Kennzeichen garantiert zudem den Verzicht auf Pech, Erdöl, Koks und Kunststoffe. Die so zertifizierte Kohle wird in der Regel aus Rest- und Abfallholz hergestellt.

Darüber hinaus gibt es klimaschonende Kohlevarianten, für die kein Holz verwendet wurde. Beispielsweise Grillkohle aus Kokosnussschalen – oder aus Olivenkernen. So stellt die Firma OlioBric Briketts aus den Rückständen der Olivenölpressung, aus Kernen, Schalen und Fruchtfleischresten, her. Diese Oliven-Briketts bieten nicht nur eine hohe Heizkraft, sondern werden auch nachhaltig und müllvermeidend produziert. Auch die Eigenschaften der OlioBric können sich sehen lassen. Sie glimmen besser, erzeugen eine höhere Hitze und entwickeln eine gleichmäßigere Glut als herkömmliche Grillkohle. Weitere Pluspunkte sind die geringe Rauchentwicklung und das Ausbleiben eines Funkenflugs beim Durchmischen.

Sind Grill und Kohle in Position gebracht, geht es ans Anzünden. Hierbei sollten chemische Grillanzünder vermieden werden. Leicht brennbare, ökologische Materialien, etwa kleine Äste und Stöckchen, Karton, Wolle oder Watte tun es genauso gut. Wie beim Grillen selbst gilt auch hier: Keine Eile, ein gutes Glutbett braucht seine Zeit.

Glüht die Kohle, kann es endlich losgehen. Nun kommt mit dem Grillgut der wichtigste Aspekt für klimafreundliches Grillen zum Tragen. Grundsätzlich gilt: Je höher der vegetarische Anteil auf dem Rost, desto nachhaltiger das Grillvergnügen. Denn Fleischkonsum hat seinen ökologischen Preis. Ein nicht unerheblicher Teil des weltweiten Klimagas-Ausstoßes geht auf sein Konto, Ressourcen wie Wasser und Energie werden bei der Herstellung verschlungen und Regenwälder gerodet. Soll es trotzdem Fleisch sein, empfiehlt sich solches aus biologischer und regionaler Herkunft. Dies garantiert Mindeststandards in Punkto artgerechter Haltung und weniger Schadstoffe im Fleisch, zudem entfallen lange Transportwege.

Grillmeister, die auf frisches, möglichst saisonales und regionales Gemüse zurückgreifen, schonen die Umwelt. Zucchini, Aubergine, Champignon oder grüner Spargel sind zudem gesund und lecker. Auch Bratlinge, Grillkäse, Früchte und Brot lassen sich prima grillen, der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Fischesser sollten beim Kauf auf das MSC-Siegel achten, so sind nachhaltige Fangmethoden und eine verantwortungsvolle Fischerei garantiert.

Bei Wurst, Fleisch und in Öl mariniertem Grillgut besteht die Gefahr, dass Fleischsaft und Fett in die Glut tropft und verbrennt. Dabei entwickeln sich krebserregende Stoffe, die sich durch den Rauch am Grillgut ablagern können. Für den gesundheitsbewussten Grillfan bietet sich hier eine Fettauffangschale oder ein Vorgaren in einer Grillpfanne – zum Beispiel aus Edelstahl oder Gusseisen – an.

Delicious and healthy vegan skewers

Foto: istock/zi3000

Stadtmagazin Schwentinental 8-2017 / NABU

Plastiktüten? Vermeiden statt ersetzen!

Sind Baumwollbeutel und Papiertüten wirklich besser als Plastiktüten? Und was ist von Bioplastik zu halten? Bei Einkaufstüten gibt es viele Fragezeichen. Nur eines ist sicher: Wir müssen unseren Plastiktütenverbrauch dringend reduzieren. Viel zu viele Plastiktüten und Plastikverpackungen gelangen in die Natur, vor allem in Flüsse und ins Meer – der Großteil des von uns im Rahmen der Aktion „Unser sauberes Schleswig-Holstein“ im März 2017, z. B. nahe der Schwentine, gesammelte Abfall war Plastikmüll, größtenteils Tüten und andere Verpackungen.

Auch wenn der Einzelhandelsverband kürzlich stolz bekannt gegeben hat, dass im letzten Jahr der Verbrauch an Plastiktüten in Deutschland von 68 auf 45 Tüten pro Kopf zurückgegangen ist, sind das eigentlich immer noch 45, oder zumindest 44 Stück zu viel. Aber immerhin erfüllt Deutschland damit schon fast die (nicht sonderlich ambitionierte) EU-Vorgabe, bis Ende 2025 nur noch 40 Tüten zu verbrauchen. Es ist zwar sehr erfreulich, dass wir weniger Plastiktüten verbrauchen, aber es sind immer noch viel zu viele: 3,6 Milliarden Plastiktüten jährlich plus über drei Milliarden so genannte Hygiene- oder Knotenbeutel für Obst und Gemüse, Käse oder Wurst etc. Dazu kommen noch die Einwegtüten aus Papier, zu denen aktuell noch keine Daten veröffentlicht wurden.

Natürlich ist es heutzutage kaum möglich, ganz auf Plastiktüten zu verzichten. Gerade bei spontanen Einkäufen hat man vielleicht nicht immer einen Korb oder eine Tasche dabei, dann gibt es kaum eine Alternative zur Plastiktüte. Dann aber sollten diese nach Möglichkeit mehrfach genutzt und bei Erreichen der Verschleißgrenze zumindest fachgerecht entsorgt werden. Aber auch bei fachgerechter Entsorgung (Gelbe Tonne) und bestenfalls Recycling ist es aus ökologischer Sicht notwendig, den Verbrauch an Kunststoff- und Papiertüten zu reduzieren: Hinter einer Tüte verbergen sich Bäume, Erdöl, Kohle, Mineralien, Pflanzen, Chemikalien, Luft, Wasser, Boden, Aluminium, Erdgas, Harze, Farbstoffe… Daher sind schon Produktion und Entsorgung der Tüten eine Verschwendung natürlicher Ressourcen, erst recht wenn sie quasi für die Tonne produziert wurden.

Papiertüten haben übrigens keine wirklich bessere Ökobilanz, als Tüten aus Kunststoff. Die Herstellung von Zellulose für Papiertüten ist äußerst energie- und wasseraufwändig. Zudem werden umweltschädliche Chemikalien eingesetzt. Um Papiertüten möglichst stabil zu machen, sind sehr viel Material sowie lange und chemisch behandelte Fasern nötig. Daher werden in der Praxis sehr viele Frischfasern statt Altpapier genutzt: Die globale Nachfrage nach Holz für die Papierproduktion belastet zusätzlich die Ökosysteme. Bei der Papiertüte gilt (analog zur Plastiktüte): Je mehr Altpapier und je weniger Druckfarben, desto besser für die Umwelt. Ein klarer Vorteil der Papiertüte ist jedoch die tatsächliche biologische Abbaubarkeit. Gelangt eine (möglichst ungebleichte, unbedruckte Alt-) Papiertüte ins Meer oder in die Landschaft, ist sie aufgrund ihrer kürzeren Witterungszeit wesentlich unproblematischer als Plastiktüten.

Ein Baumwollbeutel hingegen, zumindest wenn er wirklich oft genutzt wird, ist besser als eine Plastiktüte. Aber man sollte einen neuen Beutel nur kaufen, wenn man weiß, dass man ihn auch wirklich braucht: Die Produktion von Baumwolle belastet die Umwelt  in den Produktionsländern sehr stark, insbesondere durch den hohen Wasserverbrauch und den starken Pestizideinsatz. Es wird davon ausgegangen, dass eine Tasche aus konventioneller (d.h. nicht kontrolliert biologisch angebauter) Baumwolle über hundertmal so oft wie eine erdölbasierte Kunststofftüte genutzt werden muss, um die schlechtere Klimabilanz auszugleichen.

Daher macht es ökologisch keinen Sinn, beim Einkauf aus schlechtem Gewissen zur Baumwolltasche zu greifen statt zur Plastiktüte und die Stoffbeutel anschließend zu Hause zu horten. Der Stoffbeutel ist ökologisch nur besser, wenn er auch häufig zum Einsatz kommt. Bei der Auswahl ist es wichtig, auf fair angebaute Bio-Baumwolle zu achten. Noch besser schneiden Bio-Hanf und Bio-Leinen (Flachs) ab. Leider gibt es bisher – im Gegensatz zu Kunststofffasern – nur wenige Anbieter von Stoffbeuteln aus recycelter Baumwolle.

Eine weitere gute Möglichkeit Papiertüten zu sparen ist das tägliche oder wochenendliche Brötchenholen. Die Brötchentüten haben in der Regel ein relativ kurzes Leben. Vom Befüllen zum Zerknüllen vergehen kaum mehr als 10 Minuten, hier bieten sich Zuziehbeutel aus Baumwolle geradezu an. Die eigene Erfahrung zeigt, dass mittlerweile fast alle Bäckereien  – einzelne nach etwas ‚Startschwierigkeiten‘ – diese Form der Nachhaltigkeit gerne akzeptieren.

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Tüten, Tüten, Tüten… – Foto: NABU/Sebastian Hennigs

Stadtmagazin Schwentinental 7-2017 / NABU

Natürliche Futterbar für Vögel: Ihr Garten!

Weißdorn, Vogelbeere oder Wilder Wein: Wer Vögeln in seinem Garten einen reich gedeckten Tisch bieten möchte, pflanzt am besten heimische Gehölze oder Stauden. Welche eignen sich besonders und worauf muss man beim Pflanzen achten?

Unsere heimischen Gartenvögel benötigen je nach Jahreszeit und Lebensphase unterschiedliche Nahrung. Das Rotkehlchen beispielsweise frisst eigentlich Insekten, im Winter jedoch Sämereien und Früchte. Genau wie das Rotkehlchen handhaben es auch andere sogenannte Standvögel, also Vögel, die auch im Winter bei uns bleiben.

Wichtige Futterquellen für Standvögel sind Gehölze und Stauden, für die wir hier einige Beispiele zusammengestellt haben.

Fruchttragende Gehölze:

Fruchttragende Gehölze sind eine der Hauptnahrungsquellen für Vögel. Die Vogelbeere zum Beispiel ernährt bis zu 63 Vogelarten, der Weißdorn bis zu 32. Zum Vergleich: Der Wilde Apfel ernährt 19 Vogelarten, der vielblütige Apfel sogar nur eine.

Gerade im Winter sind viele Gehölze wie Holunder ideale Futterquellen für Vögel. Sie bilden im Sommerhalbjahr ihre reichhaltigen Fruchtstände aus, die auch für den Menschen ernährungsphysiologisch wertvoll sind: Mit viel Vitamin C und anderen Pflanzenstoffen helfen sie uns, gesund zu bleiben und mit leckeren Rezepten kann man sogar seine Gäste beeindrucken. Bei einem großen Garten kann man auch Hecken aus Brombeere pflanzen – ideal für viele Vögel und ebenfalls lecker auf dem eigenen Teller.

Diese Gehölze eignen sich, um Vögeln Futter zu bieten:

Birnbaum (Pyrus communis), Kornelkirsche (Cornus mas), Schlehe/Schwarzdorn (Prunus spinosa), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Speierling (Sorbus domestica), Vogelbeere (Sorbus aucuparia), Vogelkirsche (Prunus avium), Weißdorn (Crategus monogyna/laevigata)

Rosenhecken:

Rosenhecken sind – wenn heimisch – wichtige Vogelrefugien. Ihre Stacheln wehren den lästigsten Feind ab und die Hagebutten sind ein willkommener Snack. Natürlich sind sie optisch und durch ihren schönen Duft besonders ansprechend. Heimische Arten sind unter anderem die Kriechrose (Rosa arvensis), die Hundsrose (Rosa canina), Essigrose (Rosa gallica), Zimtrose (Rosa majalis) und die Bibernellenrose (Rosa pimpinellifilia). Einige Arten, zum Beispiel die Kriechrose, klettern auch, womit man gut seine Fassade begrünen kann.

Fassadenbegrünung:

Fassadenbegrünungen wirken sich sehr gut auf das Kleinklima und die Tierwelt im Garten aus. Neben der Kriechrose kann man auch noch viele andere Pflanzen als Begrünung einsetzen: Efeu (Hedera helix), Jelängerjelieber/Gartengeißblatt (Lonicera caprifolium), Waldrebe (Clematis vitalba) oder Wilder Wein (Vitis vinifera subsp. sylvestris). Diese Pflanzen sind ideale Brutplätze für Vögel.

Stauden:

Im Sommer funktionieren Stauden als Magnete für Insekten, die hier als Raupen und Imago (erwachsenes Insekt) Nahrung finden und Nektar saugen. Diese Insekten wiederum sind für Vögel eine wichtige Nahrungsgrundlage.

Indem man samentragende Stauden erst nach dem Winter zurückschneidet, hilft man den Vögeln zusätzlich: In den Stängeln überwintern viele Insekten, die den Vögeln als Nahrung dienen. Außerdem sind die spät geschnittenen Stauden auch im Winter hervorragende Futterquellen. Denn viele Samen verbleiben an den Samenständen und sind bei der Verwendung heimischer Stauden optimales Winterfutter.

Diese Stauden eignen sich besonders für Vögel:

Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Flockenblume (Centaurea jacea), Wegwarte (Cichorium intybus), Disteln (Cirsium spec.), Natternkopf (Echium vulgare), Mädesüß (Filipendula ulmaria), Steinklee (Melilotus officinalis), Wilde Karde (Dipsacus fullonum), Großblütige und Schwarze Königskerze (Verbascum densiflorum, V. nigrum)

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Spatz (Haussperling) in Weißdornhecke – Foto: NABU/Hartmut Mletzko

Stadtmagazin Schwentinental 6-2017 / NABU

Zoologische und botanische Migration

Wussten Sie, dass alle Tiere und Pflanzen, die nach 1492, also nach Christoph Kolumbus Reise in die Neue Welt zu uns kamen, als Neuankömmlinge gelten? In der Fachsprache spricht man bei Tieren von Neozoen und bei Pflanzen von Neophyten, der Sammelbegriff lautet Neobionten. Der Mensch sorgte aber auch schon früher für die Ausbreitung neuer Arten, beispielsweise während der Völkerwanderungen, durch den Einfluss anderer Kulturen oder schon viel früher, in der Jungsteinzeit, durch die Ausdehnung des Ackerbaus.

Grundsätzlich, so lautet auch ein Statement des Bundesamtes für Naturschutz, geht von den meisten sich bei uns ansiedelnden gebietsfremden Arten keine Gefahr für unsere Natur oder Gesundheit aus und sie haben keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen. Von den ca. 1.500 in Deutschland wachsenden Neophyten haben nur knapp 400 richtig Fuß gefasst, nur 40 von ihnen gelten als invasiv, also mehr oder minder aggressiv in der Ausbreitung.

Finden die Neuankömmlinge hier ihrer Herkunftsregion entsprechende Umweltbedingungen vor, können sie sich oft ungestört ausbreiten. Fehlen dann auch noch die natürlichen Gegenspieler, wie beispielsweise Fressfeinde, Konkurrenzarten oder Krankheitserreger, so kann es in der durch menschliches Einwirken und starke Industrialisierung gezeichneten Restnatur durchaus zu erheblichen Problemfällen kommen. Ein Beispiel ist die pazifische Auster, die sich in den Miesmuschelbänken im Wattenmeer breit macht oder die Zebramuschel (Dreissena polymorpha), die im Rhein-Main-Donau-Kanal mit Massenbeständen von bis zu 40.000 Tieren pro Quadratmeter der heimischen und vom Aussterben bedrohten Großen Flussmuschel (Unio tumidus) erheblichen Konkurrenzdruck macht und diese teils überwuchert.

Auch in und um Schwentinental finden sich durchaus gebietsfremde Arten, insbesondere Neophyten. Vielen kommen aus unseren Gärten. Samen werden dabei beispielsweise durch Vögel verbreitet, oder Pflanzenreste kommen in die Natur. Ein gutes Beispiel sind auch die Goldfische (Carassius gibelio forma auratus) im Dorfteich im OT Klausdorf und in der Schwentine. Ein echtes Highlight jeder Schwentinetalfahrt sind die Neozoen Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae) die sich gern in oder an der Schwentine sonnen. Diese ausgesetzten Arten scheinen mit der ursprünglichen Fauna erfolgreich zu konkurrieren.

Stadtmagazin Schwentinental 5-2017 / NABU

Artenreiche Streuobstwiesen

In alten Hochstämmen zimmern Spechte ihre Höhlen, als Nachmieter ziehen Steinkauz, Wendehals, Wiedehopf, Fledermäuse oder Siebenschläfer ein. Neuntöter und Raubwürger finden – wie viele Vogelarten – ein reiches Angebot an Raupen, Insekten und anderen Kleintieren, die im Geäst der Bäume und zwischen Gräsern und Kräutern auf dem Boden leben. Igel, Blindschleichen und Erdkröten, Mauswiesel und Eidechsen profitieren von dem reichen Nahrungsangebot. Für die Bestäubung der Obstbäume sorgen nicht nur Honigbienen, sondern auch zahlreiche Wildbienen und Hummeln. Bunte Falter wie der Admiral ernähren sich vom Fallobst. Wacholderdrosseln futtern im Herbst und Winter was übrig ist.

Obstwiesen sind naturnahe Kulturlandschaften und beherbergen eine große Anzahl von Tier- und Pflanzenarten. In puncto Biodiversität spielen nicht bewirtschaftete oder extensiv bewirtschaftete Obstwiesen (Streuobstwiesen) in der Königsklasse, 2.000 bis 5.000 Tierarten können hier beheimatet sein oder ihre Nahrung finden.

Die NABU Ortsgruppe Preetz-Probstei betreut eine ca. 0,5 ha große Obstwiese in der Postseefeldmark, die Obstwiese wir von Knicks eingerahmt und bietet damit eine noch größere Vielfalt an Tieren und Pflanzen.

Anders als bei den Streuobstwiesen in Süddeutschland grenzen die Obstwiesen Norddeutschlands meist als geschlossene Anlagen an Höfe an. Die Obstblüte ziert im Frühjahr weithin sichtbar Ortsränder und Höfe. Oft wird die Wiese unter den hochstämmigen Obstbäumen von Jungvieh, Schafen oder Geflügel genutzt, es müsste also eigentlich „Obstweiden“ heißen.

Für Norddeutschland hat der NABU eine Liste mit empfehlenswerten Apfelsorten zusammengestellt, die wir Ihnen auf Nachfrage gern zur Verfügung stellen.

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Pflege der NABU-Obstwiese in der Postseefeldmark – Foto: NABU/Dennis Mihlan

Stadtmagazin Schwentinental 4-2017 / NABU

Amphibienwanderung

Mit der beginnenden milden Witterung setzt in der Regel auch die Wanderung der Amphibien ein. Wenn der März mild ausfällt, ist das meist der Startschuss für Frösche, Kröten und Molche sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern zu machen. Die Temperaturen müssen dafür einige Tage auch nachts über dem Gefrierpunkt liegen und sollten in den Abendstunden noch mindestens 5°C betragen.

Besonders viele Arten machen sich in milden Nächten mit hoher Feuchtigkeit auf zu ihren Laichgewässern und legen dabei Strecken von bis zu zwei Kilometern zurück. Ein gefahrvoller Weg, denn sie müssen auf ihrer Wanderung viele Straßen überqueren und kommen dabei buchstäblich unter die Räder. Für den Amphibienbestand sind diese Verluste immer wieder tragisch, vor allem, da viele Arten als gefährdet gelten und auf der Roten Liste stehen.

Für die Dauer der Amphibienwanderung bitten wir Sie um besondere Rücksicht. Frösche, Kröten und Molche sterben nicht nur durch das direkte Überrollen unter den Autoreifen. Auch der geschwindigkeitsabhängige Strömungsdruck der Autos auf die Fahrbahn tötet sie. Autofahrer sollten deshalb auf Straßen und Wegen mit Amphibienwanderungen Tempo 30 nicht überschreiten, um den Druck gering zu halten und die Überlebenschance der wandernden Tiere zu erhöhen.

Der Straßenverkehr ist aber nicht das einzige Problem, mit dem die zahlreichen Lurche auf ihrer Wanderung zu kämpfen haben. Auch Abwasser-, Licht- und Kellerschächte werden oft zur tödlichen Falle. Stoßen die Amphibien auf ihrer Wanderung auf ein Hindernis wie z.B. eine Hauswand, bewegen sie sich daran entlang und können in einen Lichtschacht, eine Kelleraußentreppe oder einen Gully fallen. Da die Wände meist steil oder glatt sind, haben die Tiere keine Chance zu entkommen und erleiden einen langsamen und qualvollen Tod.
Schon mit einfachen Maßnahmen können Hausbesitzer dafür sorgen, dass ihr Haus nicht zur Todesfalle für Amphibien wird und die Tiere sicher ihre Laichplätze erreichen:

– Überprüfen Sie im Frühjahr und Herbst auf Ihrem Grundstück regelmäßig die möglichen Tierfallen wie Lichtschächte, Kellertreppen oder die Aufnahme für die Wäschespinne

– Decken Sie die Lichtschächte ab. Mit ein wenig Geschick kann die Abdeckung aus Edelstahlgewebe, z.B. Fliegendraht aus dem Baumarkt selbst angefertigt werden

– Eine einfache Ausstieghilfe aus dem Lichtschacht oder der Kellertreppe kann auch mit einem schräg in den Schacht gestellten rauen Brett geschaffen werden

In Schwentinental gibt es einige relevante Punkte an denen mit wandernden Amphibien gerechnet werde muss. Im Aubrook an den Fischteichen, auf Straßen durch Waldflächen, generell entlang der Schwentine, in der Nähe von stehenden Gewässern und auch temporären Kleingewässern. Am Rönner Weg, entlang der Krötenteiche, wo es jedes Jahr große Wanderungsbewegungen gibt, kommt es daher zeitweise zu Straßensperrungen.

Stadtmagazin Schwentinental 3-2017 / NABU

Moorschutz, weltweit und lokal

Zerstörte Moore sind Klima-Killer, werden Moore zerstört, stoßen sie große Mengen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Lachgas oder Methan aus und verschärfen so den weltweiten Klimawandel. Zudem steigt die Gefahr von Torfbränden, die sich schnell ausbreiten können. Der dichte Qualm aus brennenden Mooren enthält nicht nur große Mengen Feinstaub, sondern auch das äußerst gefährliche Kohlenmonoxid und klimaschädliches Kohlendioxid. Die daraus resultierende Schadstoffbelastung ist um ein Vielfaches höher als die aus brennenden Wäldern. Im Jahr 2010 wurden allein durch verheerende Brände in russischen Mooren bis zu 100 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Zum Vergleich: Die Menge entspricht etwa vier bis zwölf Prozent des jährlichen Kohlendioxidausstoßes des Industrielandes Deutschland.

Moorschutz ist also von entscheidender internationaler Bedeutung für Mensch und Natur. Daher setzt sich der NABU in Deutschland bereits seit vielen Jahren für die Erhaltung von Mooren und Feuchtgebieten ein. Der NABU und die NABU International Naturschutzstiftung betreiben zudem Moorschutzprojekte in Russland, wo sich ein Drittel der globalen Moorfläche befindet. Über acht Prozent der Landesfläche sind von Mooren bedeckt – eine auch im globalen Maßstab relevante Kohlenstoffsenke im intakten Zustand. Allein im europäischen Teil Russlands lagern 20 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Torf der Moorböden.

Von 1,36 Milliarden Hektar Moorfläche Russlands sind zwar nach aktuellen Schätzungen noch 65 Prozent intakt oder zumindest nicht von künstlicher Entwässerung betroffen. Doch sind viele trockengelegte Flächen bereits so stark degradiert, dass 2,75 Millionen Hektar ein akutes Feuerrisiko darstellen. Denn die russischen Torfmoore wurden seit den dreißiger Jahren flächendeckend für eine wirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Die ökologischen Folgen der sich in den darauffolgenden Jahrzehnten rasant entwickelnden Moorzerstörung wurden jedoch viele Jahre ignoriert. Russland liegt beim Ausstoß von Kohlendioxid aus Moorböden gleich hinter Indonesien an zweiter Stelle. Um das Entstehen von Torfbränden künftig zu verhindern und unser Weltklima ebenso wie Menschen, Tiere und Pflanzenarten zu schützen, müssen geeignete Moorstandorte wiedervernässt werden.

Auch bei uns vor der Haustür, in Deutschland, in Schleswig-Holstein ja sogar in Schwentinental gibt es trockengelegte bzw. degradierte Moore. Insbesondere Teile der an die Schwentine angrenzenden Flächen liegen innerhalb der sogenannten Moorkulisse und sind daher noch intaktes Moor oder prinzipiell für Renaturierungsmaßnahmen geeignet. Für die Renaturierung von Moorböden sind je nach Zustand der Flächen bestimmte Maßnahmen erforderlich, wie z. B. die Anhebung der Wasserstände durch gezielte Vernässungsmaßnahmen (z.B. Grabenanstau, Verwallungen). Anzustreben ist ein Wasserstand, der sich an dem natürlichen mooreigenen Wasserspiegel orientiert. Für 2017 haben wir im OT Klausdorf ein erstes Projekt zum Wiederaufbau eines Moorbodens geplant. Auf einem Teil einer knapp 0,55 Hektar großen Fläche sollen Vernässungsmaßnahmen durchgeführt werden. Zudem sollen auf der betreffenden Fläche einige Laichgewässer, speziell für den streng geschützten Moorfrosch (Rana arvalis) aber auch für andere Amphibienarten, geschaffen werden.

Für Informationen und Fragen zum Natur- und Umweltschutz stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Haben Sie Fragen zu unserem Moor-Projekt, melden Sie sich gern bei uns!

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Moorfrösche im Balzkleid – Foto: NABU/Waldemar Golnik

Stadtmagazin Schwentinental 2-2017 / NABU

Wo sind die Meisen hin? Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ 2017.

An der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ haben sich bis in diesem Jahr mehr als 60.000 Vogelfreunde aus ganz Deutschland beteiligt, mehr als 1,3 Millionen Vögel wurden in mehr als 40.000 Gärten und Parks gezählt. Das sind deutlich mehr als 2016, die Zahl der je Garten beobachteten Vögel nimmt jedoch spürbar ab. Betroffen sind besonders Grünfink, Kernbeißer und sämtliche Meisenarten. Bei der Kohlmeise (Parus major) gibt es Rückgänge zwischen 4 und 51 Prozent. Bei Sumpf-, Tannen- und Haubenmeise sind es sogar 50 bis 60 Prozent weniger.

Die große Frage nach dem Warum lässt sich nicht eindeutig beantworten. Liegt es an schlechten Bedingungen bei uns oder sind weniger Wintergäste aus dem Norden und Osten eingeflogen? Ein näherer Blick am Beispiel der Kohlmeise zeigt jedenfalls, dass der Rückgang regional sehr ungleich verteilt ist. Minus 35 Prozent sind es bundesweit, doch im Osten blieben die Beobachtungszahlen fast stabil, während nach Südwesten hin die Rückgänge bis zu 50 Prozent betragen. Sind die Wintergäste dieses Jahr vielleicht nur bis Brandenburg und Sachsen gekommen – oder war der Bruterfolg im Frühjahr in NRW und Rheinland-Pfalz besonders schlecht? Aufschluss wird die Stunde der Gartenvögel im Mai geben, denn diese findet ohne Gastvögel statt. Ein dritter Grund könnte sein, dass ein Teil der vorhandenen Meisen sich nicht in den Gärten blicken lässt, weil sie im Wald mehr als sonst zu fressen finden. Es kann also streng genommen nur von Beobachtungsrückgängen gesprochen werden.

Im Kreis Plön wurden beispielsweise durchschnittlich nur noch 2,65 Kohlmeisen gezählt, 2016 waren es noch 3,47, 2015 noch 3,98 und 2014 sogar über 4.

Einen deutlichen Anstieg gibt es bundesweit und auch im Kreis Plön u. a. bei der Amsel (Turdus merula). Mit durchschnittlich + 20 Prozent belegt der ursprünglich scheue Waldvogel der zum Vorzeige-Kulturfolger geworden ist mittlerweile den zweiten Rang in der Ergebnisliste der Zählaktion. Unangefochtener Spitzenreiter ist und bleibt aber der Hausspatz bzw. Haussperling (Passer domesticus), der trotz eines Rückganges von ca. 7 Prozent die Rangliste immer noch mit fast 250.000 Exemplaren anführt.

Die Stunde der Gartenvögel findet dieses Jahr im Mai statt, die Stunde der Wintervögel im Jahr 2018 wieder im Januar. Sie sind herzlich eingeladen daran teilzunehmen, für weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zu Verfügung.

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Amsel (Turdus merula) bei der Obstmahlzeit, Foto: NABU/Dennis Mihlan

Stadtmagazin Schwentinental 1-2017 / NABU

Der Waldkauz – Jäger der Nacht

Unsere häufigste und drittgrößte Eule Deutschlands ist der Waldkauz (Strix aluco). Stellvertretend für alle Eulenarten und Höhlenbrüter, wie z. B. Kleiber und Star, ist er zum Vogel des Jahres 2017 ernannt worden. Man möchte damit auf den Erhalt von alten Bäumen in Wald und Parks aufmerksam machen, um diese als Nistplätze zu erhalten.

Waldkäuze sind ausgeprägte Standvögel, die Ihr Revier auch im Winter nicht verlassen. Der Waldkauz wird mit 40 bis 42 Zentimetern Länge etwa so groß wie Krähen und bringt 400 bis 600 Gramm auf die Waage. Die Weibchen sind etwas größer und um ein Viertel schwerer als ihre Partner. In der Natur können sie bis zu 20 Jahre alt werden.

Man bekommt den Waldkauz nur verhältnismäßig selten zu sehen. Tagsüber verweilt er vor seiner Höhle oder in Bäumen mit knorriger Rinde, wo er mit seiner rindenähnlichen Gefiederfärbung sehr gut getarnt ist und auch gerne ein Sonnenbad nimmt. In der späten Dämmerung ist er in seinem Element. Durch seine sehr guten Augen, sein feines Gehör und seinen nahezu lautlosen Flug ist er ideal für die Jagd in der Dunkelheit gerüstet.

Seine Hauptnahrung sind vor allem Nagetiere. In einem schwachen Mäusejahr muss er auf Vögel, Frösche, Insekten und Regenwürmer ausweichen. Bis zu einer Entfernung von 100 Metern kann er durch die Trichterwirkung des Gesichtsschleiers leiseste Geräusche wahrnehmen.

Zur Balz hört man besonders das Männchen mit seinem typischen schaurigen, heulenden und langgezogenen „Huh-Huhuhu-Huuuh“, Das Weibchen antwortet darauf mit einem rauen „Kuwitt“. Der Brutplatz wird energisch gegen Eindringlinge verteidigt.

Das Gelege besteht aus 2 bis 4 Eiern, woraus nach 28 bis 30 Tagen die Jungeulen schlüpfen.

Im Alter von etwa einem Monat verlassen die noch nicht flugfähigen Jungen das Nest und sitzen meist – scheinbar verlassen – auf Zweigen in Nestnähe. Sie werden dann „Ästlinge“ genannt und geben ihre Position durch ständige heisere „kszik“-Rufe kund. Zwei bis drei Wochen später sind sie flugfähig, werden aber erst mit etwa drei Monaten selbstständig.

Dank der Baumhöhlen in alten Bäumen im Naturschutzgebiet „Altarm der Schwentine“ gibt es auch dort ein Paar (siehe Foto). Leider hatten sie 2016, vermutlich durch Mäusemangel, keinen Bruterfolg.

Bitte beachten Sie die Verhaltensregeln in einem Naturschutzgebiet, insbesondere verlassen Sie bitte nicht die Wege und leinen Sie Ihre Hunde immer an! Danke.

Dieser Text wurde in Abstimmung mit dem Schutzgebietsreferenten für das NSG „Altarm der Schwentine“, Kai Gerull/NABU SH, veröffentlicht!

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Waldkauzpaar (Strix aluco) im NSG Altarm der Schwentine, Foto: NABU/Kai Gerull

Stadtmagazin Schwentinental 12-2016 / NABU

Seltener Wintergast

Seit Freitag, dem 4. November 2016, können wir wieder einen sehr seltenen Wintergast im Naturschutzgebiet „Altarm der Schwentine“ begrüßen, die Skandinavische Wasseramsel (Cinclus c. cinclus) ist wieder da! Wie im letzten Winter 2015/2016 handelt es sich auch dieses Mal um einen unberingten Jungvogel und es war die erste Sichtung in Norddeutschland. Erst einen Tag später gab es in Mecklenburg-Vorpommern 2 weitere Sichtungen dieser Art. Insgesamt gibt es in ganz Norddeutschland nur sehr wenige hier überwinternde Exemplare und wir sind froh diese ornithologische Rarität in unserem Schutzgebiet anzutreffen.

Da Wasseramseln bis zu einem gewissen Grad störungsunempfindlich sind, kann man sie im Naturschutzgebiet (NSG) sehr schön vom Weg aus beobachten. Ein Fernglas ist dabei sehr hilfreich.

Unverkennbar ist dieser kleine etwa 18 cm große, weiß gekehlte Vogel, der ständig knicksend auf einem Stein im schnell fließenden Gewässer oder dicht am Ufer anzutreffen ist. Dort haben sie ihre Ruhephasen oder starten Ihre Jagdausflüge.
Dabei tauchen und schwimmen sie, um vor allem die Larven der Köcherfliegen, Eintagsfliegen, Steinfliegen, Lidmücken und der Kriebelmücken unter Steinen und Blättern zu suchen.
Da Köcherfliegenlarven in einem Köcher aus verklebten Pflanzenteilchen und Sedimenten leben, schlägt die Wasseramsel den Köcher auf einen Stein. Der Köcher bricht auf und die Wasseramsel kann die darin befindliche Larve herausziehen.

Durch ihren, für einen Vogel schon sehr robusten Knochenbau, kann sie sogar auf dem Boden des Gewässers laufen. Bemerkenswert ist auch, dass die Wasseramsel der einzige Singvogel ist, der tauchen kann.

Zwischen den Jagdausflügen legt sie immer mal wieder Pausen ein. Sie singt und putzt sich dabei. Obwohl sie den ganzen Tag im und am Wasser ist, badet sie auch gerne.

Sollte sich die Wasseramsel im Naturschutzgebiet „Altarm der Schwentine“ wohl fühlen, dann wird sie bis Mitte/Ende März 2017 hier den Winter verbringen.

Bitte beachten sie die Verhaltensregeln in einem Naturschutzgebiet, insbesondere verlassen Sie bitte nicht die Wege und leinen Sie bitte Ihre Hunde immer an! Danke.

Dieser Text wurde in Abstimmung mit dem Schutzgebietsreferenten für das NSG „Altarm der Schwentine“, Kai Gerull/NABU SH, veröffentlicht!

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Skandinavische Wasseramsel (Cinclus c. cinclus) bei der Nahrungssuche, Foto: NABU/Kai Gerull

Stadtmagazin Schwentinental 11-2016 / NABU

Im Reich der Pilze

Pilze erfüllen in der Natur eine wichtige Aufgabe. Je nach Ernährungsweise übernehmen sie zentrale Aufgaben im Naturhaushalt, vor allem bei der Zersetzung und Aufarbeitung organischen Materials. Pilze unterscheiden sich in wichtigen Punkten von Pflanzen und Tieren und gehören somit weder zum Pflanzen- noch zum Tierreich. Sie gehören einer eigenen systematischen Stufe an und sind tatsächlich den Tieren näher als den Pflanzen.

Auch in den Wäldern und auf den Wiesen in und um Schwentinental finden sich einige der 100.000 weltweit bislang beschriebenen Pilzarten. Vom Champignon über den Röhrling bis zum Fliegenpilz ist alles dabei.

Pilze haben spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum. Neben den symbiontisch lebenden Pilzarten, welche z.B. an den Wurzeln von Bäumen leben und sich über ihr Wurzelgeflecht mit den Wurzeln der Bäume verbinden und so verschiedenste Stoffe (Wasser, Mineralstoffe, Eiweiße) austauschen, gibt es die parasitär lebenden Pilze, die sogenannten Schmarotzer, die noch lebende Organismen attackieren und diese sogar zum Absterben bringen können. Wieder andere Pilze ernähren sich von bereits abgestorbenen, organischen Material und arbeiten so z.B. das jährlich anfallende Laub oder Holzreste auf. Zusammen mit den Bakterien bilden Pilze die Zersetzungsorganismen im Stoffkreislauf der Ökosysteme. Kurz gesagt – sie recyceln die Abfallprodukte des Naturhaushaltes und stellen diesem dadurch wieder neue Nähstoffe zur Verfügung.

Da Pilze auch unter Feinschmeckern begehrt sind, können diese natürlich auch in unserer Region gesammelt werden. Pilze sollten aber im Interesse des Naturschutzes – eben weil sie für das Ökosystem so wichtige Aufgaben erfüllen – nur für den Eigenbedarf und fachgerecht geerntet werden. Zu junge, zu alte, angefressene oder madige Pilze sollten auf jeden Fall stehen gelassen werden. Während die einen noch wachsen sollen, erfüllen die alten Pilze wichtige Aufgaben in der Natur. Sie geben noch unzählige Mengen an Sporen ab und bieten vielen Wirbellosen Tieren, vor allem Insekten, Nahrung und Unterschlupf. Generell sollten nur so viele Pilze mitgenommen werden, wie anschließend gleich verarbeitet und gegessen werden können. Als Faustregel gilt in etwa: pro Person und Tag sollte nicht mehr als ein Kilo gesammelt werden. Ein wichtiger Hinweis: Schutzgebiete müssen selbstverständlich auch von Pilzsuchern beachtet und dürfen ggf. nicht betreten werden.

Auf Grund der Vielzahl und der Ähnlichkeiten der Pilze sollten diese nur von erfahrenen und fachkundigen Pilzsammlern geerntet werden. Im Zweifelsfall sollten die Funde von geprüften Pilzberatern bzw. Pilzsachverständigen, beispielsweise der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, begutachtet werden. Es gibt vielerlei ungenießbare und giftige Pilzarten!

Auf jeden Fall lohnt sich ein Ausflug ins Reich der Pilze. Bieten sie doch gerade im Herbst eine schöne Abwechslung und manch Pilz sogar einen schönen Farbtupfer in der grauen Jahreszeit.

Mönchskopf

Mönchskopf (Infundibulicybe geotropa) am Waldrand unweit der Schwentine, Foto: NABU/Dennis Mihlan

Stadtmagazin Schwentinental 10-2016 / NABU

Tankstelle Fliederbusch

Ist Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass sich in Ihrem Fliederbusch Hornissen tummeln? Gerade jetzt zu dieser Jahreszeit benötigen Hornissen, unsere größte heimische Wespenart, kohlehydrathaltige Flüssigkeit als Kraftspender fürs Fliegen. Und diese holt sie sich beim sogenannten „Ringeln“. Die Hornissen knabbern dabei an Zweigen im Flieder (und anderen Gehölzen) die Rinde ab und lecken den dabei austretenden, kohlehydrathaltigen Pflanzensaft auf. Die dadurch entstehenden Wunden überwallen in der Regel schnell wieder, so dass das Gehölz dadurch keinen Schaden nimmt.

Da die Hornissen sich dabei außerhalb ihres Nestes befinden, haben sie nichts zu verteidigen, so dass sie, wenn man sie in Ruhe lässt und den nötigen Abstand wahrt, nicht aggressiv sind.

Hornissen sind zudem eifrige Jäger, sie fangen zum Beispiel Stechmücken und andere Wespen. Die tierische Beute ist allerdings nur für den Nachwuchs bestimmt, die erwachsenen Tiere (die sog. Imagines) ernähren sich überwiegend von Pflanzensäften. Süßspeisen, wie zum Beispiel auf Ihrem Kaffeetisch fressen Hornissen nicht, sie jagen dort höchstens andere Insekten.

Hornissen (Vespa crabro) stehen auf der Liste der bedrohten Tierarten und somit unter Artenschutz. Bewohnte Nester, in denen bis zu 900 Individuen der bis 35mm groß werdenen Faltenwespen leben, dürfen nur mit einer Ausnahmegenehmigung und durch geschultes Fachpersonal umgesiedelt werden. Wir erteilen Ihnen gerne Auskunft.

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Hornisse (Vespa crabro) „ringelt“ an Fliederstrauch, Foto: NABU/Dennis Mihlan

Stadtmagazin Schwentinental 09-2016 / NABU

Fischsterben im Rosensee

Ende Juli 2016 kam es im Rosensee, insbesondere oberhalb der Straßenbrücke der B 202 zu einem teils massiven Fischsterben. Betroffen waren alle im Gewässer vorkommenden Fischarten, zudem konnten ebenfalls verendete Amphibien und vor allem Wasserschnecken aufgefunden werden. Nach Information der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Plön wurden von dort umgehend Wasserproben genommen und an das Landeslabor in Neumünster gegeben. Zudem wurden die verendeten Tiere mit einem Spezialfahrzeug abgesammelt. Auch hiervon wurden Proben an das Landeslabor verbracht.

Im Gewässer und an der Uferböschung konnte ein teils deutlicher blauer Schleier festgestellt werden, ein erster Hinweis auf eine massive Blaualgenblüte. Blaualgen sind nicht etwa, wie der Name es vermuten lässt, eine Algenart, sondern es handelt sich um Bakterien der Gattung Cyanobakterien. Diese Bakterien können zahlreiche Toxine (Giftstoffe) freisetzen, einige dieser gehören zu den stärksten natürlichen Giften. Durch die Toxine wird die Wasserqualität stark vermindert, zusätzlich wird durch das Absterben der Bakterien die Sauerstoffkonzentration im Gewässer stark verringert, was zu einem Fischsterben wie diesem führen kann. Neben höheren Wassertemperaturen sind besonders ein hoher Phosphat- und Nährstoffgehalt im Wasser, wie er durch die Überdüngung insbesondere konventionell landwirtschaftlich genutzter Flächen eintritt, ursächlich für die unverhältnismäßige Vermehrung von Cyanobakterien.

Nach dem Vorab-Prüfbericht des Landeslabors zu den entnommenen Fischproben wurden zudem verschiedene Bakterien der Gruppe der Enterobakterien nachgewiesen. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um „normale“ Wasserkeime, so dass es keine Hinweise auf Fischseuchen gibt.

Die Massenentwicklung von Cyanobakterien scheint also ursächlich für das aktuelle Fischsterben zu sein. Hier wird einmal mehr deutlich wie wichtig, neben der Reduzierung von Dünger und Gülle, ausreichend breite und nutzungsfreie bzw. nutzungsbeschränkte Ufer-/ und Gewässerrandstreifen sind. Sie dienen zum einen als Pufferzone zwischen Gewässer und landwirtschaftlich genutzter Fläche und können stoffliche Einträge ins Gewässer vermindern, zum anderen bieten sie Raum für eine eigendynamische Gewässerentwicklung und Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.

Sumpfdeckelschnecke

Verendete Sumpfdeckelschnecke (Viviparidae) mit einem deutlich erkennbaren Blauschleier, Foto: NABU/Dennis Mihlan

Stadtmagazin Schwentinental 08-2016 / NABU

Kurze Pause für Wildbienen & Co.

Weil beim Rasenmähen nicht nur der Rasen gestutzt wird, sondern auch sämtliche Wildpflanzen, umgangssprachlich auch gerne Unkraut genannt, dem Rasenmäher zum Opfer fallen, ist es für zahlreiche Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge zunehmend schwer, geeigneten Lebensraum zu finden. Sie brauchen die Pollen und den Nektar von Löwenzahn, Wiesenschaumkraut und anderen Rasenkräutern und Wiesenpflanzen als Nahrung und für die Eiablage. Zu häufiges Mähen verhindert das Wachstum, nur wenn die Pflanzen verblühen, Samen bilden und sich vermehren können, ist ihr Fortbestand und damit die Nahrungsgrundlage für die Insekten dauerhaft sichergestellt. Eine natürliche Insektenfauna bildet zudem ihrerseits die Nahrungsgrundlage für Gartenvögel, Igel und andere Insektenfresser.

Gönnen Sie Ihrem Rasenmäher doch mal eine Pause, oder machen Sie einen Teil Ihres Gartens zur Wildwiese – die Natur wird es Ihnen danken.

Aurorafalter

Aurorafalter (Anthocharis cardamines) auf Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis), Foto: NABU/Dennis Mihlan