Volkstrauertag 2018

Heute habe ich zusammen mit unserem 1. Stellv. Bürgermeister, Herrn Stefan Wiese, mit der Pastorin unserer Ev.-Luth. Philippus-Kirchengemeinde, Frau Ebba Stockhausen und vielen Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Klausdorf im Rahmen einer Feierstunde die Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag durchgeführt. In diesem Rahmen habe ich im Anschluss an den Gottesdienst eine kurze Ansprache gehalten. Für interessierte gibt es diese hier zum Nachlesen.

„Liebe Schwentinentalerinnen und Schwentinentaler, liebe Gottesdienstbesucher, liebe Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Klausdorf, liebe Gäste,

genau 100 Jahre und eine Woche ist es her, dass der Erste Weltkrieg mit fast 17 Millionen Toten sein bitteres Ende fand. Das sinnlose Töten in Europa und vielen anderen Teilen der Welt brachte am Ende nur Leid und Trauer und riss einen tiefen Graben durch Europa, was sich knapp 20 Jahre später in einem bis dato unvorstellbar erscheinenden Gräuel rächen sollte.

Dem Ende des Ersten Weltkrieges vorausgegangen war, gar nicht weit von hier entfernt, der Kieler Matrosenaufstand. Was am 29. Oktober 1918 mit ausgedehnten Befehlsverweigerungen von Matrosen der deutschen Hochseeflotte begann, die in der militärisch ausweglos gewordenen Situation nicht weiter sinnlos als buchstäbliches Kanonenfutter verheizt werden wollten, löste am 3. November 1918 den Matrosenaufstand in Kiel aus. Aus dem Aufstand entwickelte sich die Novemberrevolution die den Sturz der Monarchie, den Friedensschluss und die Ausrufung der Republik in Deutschland zur Folge hatte.

Zu einem Zeitpunkt, in der die Demokratie in Deutschland erste Blüten trug, etablierten sich in vielen Staaten Europas autoritäre und faschistische Regime. Schnell musste man sich bewusst werden, dass viele aus dem Schrecken des Krieges nichts gelernt hatten. Nicht lange dauerte es, da wurden auch in Deutschland wieder nationalistische Töne laut, erst von der Schmach von Versaille, dann von der Herrenrasse.

Wie das 1945 endete, wissen wir alle, einige wenige von Ihnen haben es vielleicht noch miterlebt. Ein Krieg, der mit seinen Folgen bis zu 80 Millionen Menschen das Leben kostete. Das wäre fast die gesamte deutsche Bevölkerung heute. Und dennoch nur ein Krieg, aus einer langen Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen. Knapp 455 Millionen Menschen verloren bei den 100 tödlichsten Gewaltakten der Weltgeschichte ihr Leben. Warum?

Nun leben wir seit über 70 Jahren in Frieden, zumindest in unserem Teil der Welt. Konnten uns ein sozial und wirtschaftlich weitestgehend stabiles Umfeld schaffen. Dennoch schüren auch wir die Feuer dieser Welt weiter. Als viertgrößter Waffenexporteur der Welt hat der 68er Slogan „Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt“ nie an Aktualität verloren. Und liebe Gäste, wer Waffen exportiert, muss sich über Flüchtlinge nicht wundern. So lange wir weiter Waffen in die Krisenregionen dieser Welt liefern, und damit Leid und Tod in fremde Länder bringen, so lange dürfen wir uns über keinen einzigen Menschen beschweren, der in unser Land kommt, um hier, genau wie wir, in Frieden zu leben. Auch deutsche Rüstungskonzerne machen den großen Reibach, auch deutsche Regierungen legitimieren das, und schaffen somit ständig neue Fluchtursachen.

Im Krieg verlieren immer alle!

Und heute? Auch heute werden wieder nationalistische Töne angeschlagen. Auch heute halten sich in vielen Ländern Europas wieder viele für ethnisch wertvoller. Erinnerungen an die Herrenrasse werden wach. Durch Populisten und Rechtsextreme werden wieder Ängste geschürt, vor allem und jedem. Es wird gegen Flüchtlinge gehetzt, gegen die Presse, gegen die Regierungen, gegen die Kirchen. Natürlich befindet sich unsere Gesellschaft in einem Wandel, sie wird globaler. Und es ist nachvollziehbar, dass einige Menschen damit Probleme haben, und es ihnen Angst macht. Aber Gesellschaften haben sich schon immer gewandelt, man kann dem offen begegnen, oder sich verschließen, man kann an dem Gelingen mitarbeiten, oder sich entziehen, aber aufhalten kann man den Wandel damit nicht. Das hat noch niemals geklappt. Gehen Sie offen auf Ihre Mitmenschen zu, reichen Sie sich die Hand, hier, und draußen in der Welt. Helfen Sie den Frieden zu bewahren, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.“

Tiertransport mal anders…

Heute war es wieder soweit, die Highland-Rinder mussten runter von der Möweninsel (Probstenwerder) und dem Appelwarder, und rauf auf‘s Floß. Zusammen mit dem Rinderwirt und der Freiwilligen Feuerwehr Preetz haben wir von der NABU-Ortsgruppe Preetz-Probstei die 16 Highland-Rinder verschifft und auf den Weg in ihr Winterquartier gebracht.

Ahoi 🐂⚓️

Schlachthaus Färöer

Das Schlachten im Nordatlantik geht weiter. Nach einer Erhebung von Sea Shepherd UK haben in den letzten 10 Jahren ca. 7.700 kleinere Meeressäuger, im Wesentlichen Grindwale (Globicephala melas), Weißseitendelfine (Lagenorhynchus acutus), Nördliche Entenwale (Hyperoodon ampullatus) und Große Tümmler (Tursiops truncatus) beim traditionell begründeten „Grindadráp“ auf den Färöer unter grausamen Bedingungen ihr Leben verloren. Nach aktuellen Hochrechnungen sollen es in den vergangen 50 Jahren bis zu 60.000 Wale gewesen sein, die in den blutgetränkten Fjorden der Färöer in Volksfeststimmung brutal abgeschlachtet wurden. Darunter auch immer wieder Jungtiere, wie aktuelle Bilder zeigen.

Nachdem eine Grindwalschule gesichtet und per Mobilfunk alle entsprechenden Menschen aktiviert wurden, werden die bis zu 300 Tiere mit Motorbooten in eine Bucht getrieben und dort mit Hilfe des sogenannten „Mønustingari“ getötet. Dabei werden ihnen das Rückenmark im Nacken und die Halsschlagader durchtrennt. Falls die Wale nicht nah genug an den Strand gelangen, steckt man Ihnen einen Fanghaken, das „Blásturongul“ ins Blasloch und zieht sie an den Strand, bevor auch ihnen der halbe Kopf abgeschlagen wird. Es gibt hierzu einen Wiki-Artikel (https://de.wikipedia.org/wiki/Grindadr%C3%A1p) der u. a. auch die Pro- und Gegenargumentationen zitiert, bei den Pros wird zum Beispiel auch das Prestige als Nation der Färinger genannt. Man(n) fühlt sich beim Grindadráp als richtiger, echter Färinger. Gruselig wenn man sich international mit so einem grausamen Schauspiel brüstet…

Zum Grindadráp bringt man dann gern die ganze Familie mit. Kinder posieren an und auf ausgebluteten Walen und es werden Fotos fürs Familienalbum geschossen, so wird sichergestellt, dass die Tradition auch auf die nächste Generation vererbt wird, die natürliche Hemmschwelle, mit dem Mønustingari zuzuschlagen wird so schon im Kindesalter wegtrainiert.

Klar kann und muss man einen Vergleich zu Schlachthäusern überall auf der Welt ziehen. Tiere sind oft nur noch zu einer Handelsware deklassiert, ein Tierleben ist außer bei unseren Haustieren und dem ein oder anderen Wildtier nicht mehr allzu viel wert. Meist nur noch den aktuellen Kilopreis des fertig verarbeiteten Fleisches. Ein Leben sollte immer denselben Wert haben. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen Wild- und Nutztieren. Letztere werden gezielt gezüchtet um den maßlosen Fleischhunger der Menschen zu stillen, wobei auch ein großer Teil der tierischen Produkte wieder an andere Tiere verfüttert wird, um diese dann wieder an uns zu verfüttern. Wildtiere hingegen unterliegen zum einem dem Druck, in immer kleineren Lebensräumen klarzukommen und haben mit den Folgen von Umweltverschmutzung und der Zerstörung der Natur zu kämpfen. Der Jagddruck ist ein zusätzlicher Faktor, dem diese ausgesetzt sind, und hier geht es knallhart um das Überleben von ganzen Spezies. Nutztierrassen, zumindest die heutigen industriellen Rassen drohen nicht auszusterben, bei einigen wäre es vermutlich sogar der bessere und weniger qualvolle Weg, wenn sie es einfach tun würden. Bei den Wildtierrassen sieht es schon ganz anders aus. Die Zahl der Arten, die seit dem Auftauchen des Menschen auf unserem Planeten von der Bildfläche verschwunden sind schätzen Wissenschaftler auf 500 Millionen (nicht Tiere, sondern Arten!), was ungefähr 99 Prozent aller Tierarten ausmacht. Das ist nicht immer absichtlich durch Jagd oder Lebensraumvernichtung geschehen, aber auch durch die Einschleppung fremder Arten und dem damit verbundenen Schwund der natürlichen Fauna hat der Mensch indirekt damit zu tun. Ein unglaublicher Verlust an Biodiversität. Und da sind wir wieder bei dem Problem mit der Jagd auf Wale. Wale egal welcher Art standen schon immer ganz oben auf dem Wunschzettel der Jagenden, am prominentesten sicher die großen Wale. Die Literatur ist voll mit romantischen Erzählungen von Walfängern, wie zum Beispiel bei Moby Dick. So wie es früher, insbesondere bei Inselstaaten wie den Färöer berechtigt gewesen sein mag, Wale zum Verzehr und zur anderweitigen Nutzung zu fangen, zu töten und weiterzuverarbeiten, so ist es heutzutage schlicht nicht mehr notwendig und zu einer verklärten Tradition geworden.

Fast überall auf der Welt unterliegen Wale strengen Schutznormen, die Bestände erholen sich nur langsam, da die Verschmutzung der Meere und andere Emissionen ihnen immer noch schwer zusetzen. Wale massenhaft abzuschlachten, wie es beim Grindadráp der Fall ist, nur um sich als echte Färinger zu fühlen ist nicht mehr zeitgemäß. Die Waljagd wird übrigens regelmäßig von der dänischen Marine geschützt.

Man solle sich mal vorstellen, man hätte beispielsweise Fiete, den Delfin der sich im letzten Jahr einige Monate lang in der Kieler Förde einquartiert hatte, in die Heikendorfer Bucht gedrängt, ihm ein Blásturongul in sein Blasloch gesteckt, ihn damit an den Strand gezogen um ihm dann mit einem Mønustingari den Kopf fast gänzlich abzuschlagen. Dann wären die Bewohnerinnen und Bewohner der Bucht gekommen, mit ihren Kindern, und hätten Erinnerungsfotos gemacht. Sitzend auf dem ausgebluteten Delfin, vor der Kulisse einer sich rot färbenden Förde. Und dann würde man sich als echter Schleswig-Holsteiner fühlen…

Sea Shepherd UK ist mittlerweile bereit, den Färöer Inseln 1 Million Euro zu zahlen, in jährlichen Summen von je 100.000 Euro, wenn diese bereit sind, auf die Waljagd gänzlich zu verzichten. Es ehrt diese Organisation und wenn es hilft, ist es besser als nichts, immerhin schützt es dann im Ergebnis die Tiere. Aber wie krass ist denn der Umstand an sich, dass Organisationen und/oder Verbände, die sich für den Schutz der Tiere einsetzen, viel Geld dafür zahlen (wenn es denn angenommen wird), dass sinnlose und blutige Traditionen ausgesetzt werden?!

Mehr Infos und Bilder zu den schrecklichen Tötungsexzessen gibt’s unter www.seashepherd.org.uk Den deutschen Ableger findet man unter www.sea-shepherd.de oder auf den entsprechenden Facebook-Sites.

Beitragsbild: Alle Rechte bei Sea Shepherd UK // featured image: All rights by Sea Shepherd UK

Statement zur Absage der Stadtvertretung

Liebe Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schwentinental, liebe Freundinnen und Freunde des Freibad Schwentinental,

zu der von mir unter Verkürzung der Ladungsfrist eingeladenen Sitzung der Stadtvertretung der Stadt Schwentinental am 29. August 2018 liegen mir 17 persönlich eingereichte Widersprüche vor. Widersprochen haben alle sechs Stadtvertreter*innen der CDU-Fraktion, alle sechs Stadtvertreter*innen der SPD-Fraktion sowie alle fünf Stadtvertreter*innen der SWG-Fraktion.

Auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen habe ich die Sitzung der Stadtvertretung daher abzusagen, dieser Verpflichtung komme ich hiermit nach.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle mein Bedauern darüber kundtun, und mitteilen, dass ich darüber sehr enttäuscht bin. In erster Linie bin ich das nicht über die Widersprüche an sich, diese mögen im Einzelfall begründet und nachvollziehbar sein, vielmehr bin ich es darüber, dass so einmal mehr bewusst ein demokratischer Meinungsbildungsprozess verhindert wird. Ich schreibe dieses nicht aus parteipolitischer Ideologie – obwohl ich mir persönlich ein anderes als das konventionelle Sanierungsmodell gewünscht hätte – ich schreibe das in meiner parteipolitisch neutralen Funktion als Vorsitzender der Stadtvertretung und Bürgervorsteher der Stadt Schwentinental. Es hätte jeder Stadtvertreterin bzw. jedem Stadtvertreter jederzeit freigestanden, im Rahmen der Sitzung und nach der Information unter TOP 2 der Tagesordnung (Präsentation der Konzepte) gegen den unter TOP 3 gestellten Antrag der Fraktionen von FDP, WIR und Bündnis 90/DIE GRÜNEN zu stimmen. Dass man sich aber ein weiteres Mal weigert, sich überhaupt erst einmal informieren zu lassen, empfinde ich in meinem Verständnis davon, welche Verantwortung und Verpflichtung wir als gewählte Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt gegenüber haben, als absolut inakzeptabel. Sollte das Verhalten der v. g. 17 Stadtvertreter*innen ursächlich dafür sein, dass die Stadt Schwentinental keine Fördermittel aus dem Bundesprogramm erhält, sollte die Verzögerung dazu führen, dass die bereits zugesagten Fördermittel des Landes nicht mehr gewährt werden können und sollte die Verzögerung bei der Sanierung des Freibades dazu führen, dass dieses stillgelegt werden muss oder die Sanierung dadurch letztendlich völlig scheitert oder deutlich teurer wird, als veranschlagt, werden diese 17 Stadtvertreter*innen sich nach Ihrem Anteil daran fragen lassen, wenn nicht sogar dafür verantworten müssen. Denn alle Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter, auch die 17, haben sich auf die gewissenhafte Erfüllung Ihrer Obliegenheiten verpflichtet. Wenn angebotene Informationen bei einer Entscheidung von solch hoher (finanzieller) Tragweite abgelehnt werden, kommt man dieser Verpflichtung den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber, wenn überhaupt, nur ungenügend nach.

Ich habe, unabhängig davon, dass das selbstverständlich sein sollte, mein Amt mit dem Anspruch einer bürgernahen und transparenten Politik angetreten. Wir alle, die wir Mitglieder der Stadtvertretung oder der Ausschüsse sind, haben den Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt Schwentinental gegenüber die Verpflichtung, deren, und ausschließlich deren Interessen zu vertreten. Wir haben die Wünsche, Sorgen und Bitten der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen und zu respektieren und Schaden von der Stadt abzuwenden. Das Verfahren zur Bundesförderung, so wie es jetzt praktiziert wird, erfüllt den Anspruch von Transparenz und Bürgernähe nicht. Aus vielen Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern in den letzten Tagen weiß ich, dass das Interesse an der Thematik und der Möglichkeit sich fundiert über die Sanierungsmodelle zu informieren enorm groß ist und war. Dass den Bürgerinnen und Bürgern diese Möglichkeit nun durch den Widerspruch der 17 Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter genommen wird, ist mehr als bedauerlich.

Dennis Mihlan
Bürgervorsteher der Stadt Schwentinental

Kindergeld oder Sozialbetrug?

Deutsches Kindergeld für EU-Ausländer. Das scheint das Thema zu sein, um das mediale Sommerloch zu füllen…

Klar, es gibt Menschen die in unser Sozialsystem einwandern, aus verschiedensten Gründen. Ja, es gibt auch Menschen die unser Sozialsystem unterwandern, es ausnutzen und davon (finanziell) profitieren. Erstere tun es meist aus dem Grund, dass sie hier eine sozialversicherungspflichtige Arbeit annehmen, oder aus der Not heraus, letztere tun es eher aus niederen, einige sicher auch aus kriminellen Beweggründen, das sind dann einfach die gleichen unsozialen Menschen, wie es sie auch unter „uns Deutschen“ viele gibt, und gegen die man mit allen rechtstaatlichen Mitteln vorgehen sollte

Der Großteil der etwa 270.000 im EU-Ausland lebenden Kinder, die Kindergeld aus Deutschland beziehen hat aber einen ganz regulären und gerechtfertigten Anspruch darauf, da mindestens ein Elternteil in Deutschland arbeitet. Durch die Freizügigkeit in der EU darf kein Bürger auf Grund seiner Herkunft diskriminiert werden, auch bei den Sozialleistungen und beim Kindergeld nicht. Es handelt sich bei den v. g. Kindern übrigens zu einem Großteil um Kinder aus Polen, Tschechien, Rumänien und Kroatien – Menschen die hier als zum Teil günstige Arbeitskräfte gern gesehen sind, zum Beispiel als Erntehelfer*innen und in der sonstigen Saisonarbeit.

Von den in Deutschland fast 40 Mrd. Euro, die jährlich als Kindergeld ausgezahlt werden, entfällt auf die im EU-ausland lebenden Kinder etwas 1 Prozent der Gesamtsumme. In 2016 waren es ca. 414 Mio. Euro, in 2017 etwas 343 Mio. Euro. Ein ganzer Prozent also… Und nur ein weiterer Bruchteil davon sind erschlichene oder zu Unrecht gezahlte Leistungen!

Im medialen Sommerloch ist das Thema aber beispielsweise wieder ein gefundenes Fressen für die Bild, in gewohnt hetzerischer Manier wird wieder ohne jeglichen Kontext berichtet. Dieser könnte zum Beispiel die Höhe der Summe sein, die dem deutschen Fiskus jährlich durch Steuerflucht entzogen werden. Knapp 100 Mrd. Euro gehen dem deutschen Staat jährlich dadurch verloren, dass Kapital, welches eigentlich in Deutschland ver- bzw. besteuert werden müsste, in Steueroasen verschoben wird. Von Menschen die ohnehin schon genug Geld haben. 100.000.000.000, ganz schön viele Nullen… …und diese Summe im Kontext zu den 343 Mio. Euro? Ganze 0,003 Prozent! Und wie gesagt, davon nur ein Bruchteil unrechtmäßige Zahlungen.

Ich habe dazu heute einen Tweet von Robin Mesarosch gelesen, der das ziemlich gut wiedergibt:

„Das Problem ist nicht das Kind in Rumänien, das sich von deutschem #Kindergeld eine Winterjacke kauft.
Das Problem ist der Briefkastenfirmenchef auf den Caymans, der sich von deutschem Steuergeld den sechsten Sportwagen kauft.“

Vielleicht mal was zum Nachdenken für’s Sommerloch?! Sollte sich auch der Duisburger OB Sören Link (SPD) mal genauer ansehen, diese Zahlen, bevor dort fleißig mitgepoltert wird…

Humanität. Fremdwort? Nur bei Horst!

»Mitgefühl ist die Grundlage jeder Moral« sagte einmal Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph und Verfechter einer klaren, einfachen und pragmatischen Ethik. In diesem Kontext, dürfte ein Horst Seehofer, unser allseits geliebter und geschätzter Bundesinnen- und -heimatminister, nicht viel mehr sein als ein Mensch dem jegliche Moral abgeht, wenn er sich mit einer unverkennbaren Genugtuung darüber freut, dass ausgerechnet an seinem neunundsechzigsten Geburtstag 69 Menschen nach Afghanistan zurückgeführt werden. Aber auch ohne den schopenhauerschen Kontext bleibt bei unserem Horst nicht viel übrig, was nach Moral und/oder Mitgefühl aussieht. Der rechte Flügel der CSU wird applaudieren, darüber und vielleicht auch über den „Masterplan Migration“, obwohl der nach einigen Kompromissen entschärfte Plan vielen aus der angebräunten Ecke nicht weit genug gehen dürfte.

Maßnahmen zur Ordnung, Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung. Mit diesem bürokratisch formalen Untertitel beschreibt sich das Werk zunächst einmal selbst. So viel, so gut. Oder auch nicht.

Von einem Masterplan erwarte ich aber etwas anderes. Ich erwarte eine ganzheitliche Lösung die sich nicht nur damit beschäftigt, Migration auf ein Minimum zu beschränken, zu ordnen oder zu verhindern, sondern Migrationspolitik unter humanen Gesichtspunkten zu gestalten. Und Humanität bedeutet nicht, dass ich die Grenzen aufmachen und alles und jeden unkontrolliert nach Europa oder Deutschland lassen möchte, vielmehr bedeutet es aber, dass ich verdammt noch mal keine Menschen im Mittelmeer oder sonst wo sterben lassen möchte, dass ich keine schmutzigen Deals mit Libyen machen möchte, bei denen die Geflüchteten von der libyschen Küstenwache oder irgendwelchen angeheuerten Unmenschen über Bord geworfen, geschlagen, gefoltert und/oder gepeinigt werden. Bei denen die Angehörigen erpresst werden und dafür zahlen sollen, dass ihre Familienmitglieder wieder freigelassen werden.

Genau das befeuern wir aber mit einem Masterplan, der sich mehr mit dem Verhindern, als mit dem Menschlichen befasst. Nichts spricht gegen eine geordnete und auch nicht viel gegen eine begrenzte Migration. So ein Fiasko wie 2015 wollen wir nicht noch einmal erleben, die chaotischen Zustände und eine vielfach unkontrollierte Einreise haben nicht nur das System, sondern auch viele der hier lebenden Menschen überfordert, verunsichert, beunruhigt. So unvorbereitet darf es uns nicht noch einmal treffen. Ohne die unendlich große Hilfsbereitschaft von zehntausenden freiwilligen und vor allem ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ob privat, in örtlichen, landes- oder bundesweiten Initiativen oder NGOs, wäre die Situation sicher anders verlaufen. Hier muss man sich mit einem echten „Masterplan Migration“, einem der den Namen auch verdient, viel besser, viel professioneller aufstellen, um vorbereitet zu sein, auf das was noch kommen mag. Ob durch Klimawandel, Umweltzerstörung oder Flucht vor Krieg, Repressionen, Mord oder Folter. In vielen Fällen schüren wir durch unsere Waffenexporte und nicht zuletzt auch durch unseren Konsum immer neue Krisenherde in der Welt. Ob man es hören will oder nicht, daraus ergibt sich auch ein Verpflichtung, allen diesen Menschen gegenüber, die durch unser Handeln, direkt oder indirekt, ihre Heimat verlieren, ihre Sicherheit, ihre Gesundheit, ihre Lebensgrundlage. Ein solcher Masterplan muss unserer Verantwortung in der globalisierten Welt gerecht werden, der einer aufgeklärten Gesellschaft, die enorm von der Situation der Menschen vor Ort profitiert, in den Regionen aus denen sie sich auf die Flucht in „den Westen“ begeben. Das sollte jeder einmal für sich selbst reflektieren…

Bei Horst ist bei dem Wort „reflektieren“ sicher schon eine Grenze erreicht, vermutlich die des Möglichen. Entweder ist Herr Seehofer ein getriebener seiner erzkonservativen Wählerschaft oder sein Fokus beschränkt sich auf einen kleinen Karton ohne Löcher, den er auf seinem Kopf trägt.

Die vermeintlich tragenden Säulen der CSU, das C für christlich und das S für sozial, scheinen nunmehr nur noch Schmuckwerk zu sein, mit dem man sich gerne schmückt, weil es so gut aussieht und so gut klingt. Denn unter sozialen und erst recht unter christlichen Gesichtspunkten ist die Politik, die dort gemacht wird, nicht zu rechtfertigen. Vielleicht sollte Horst sich mal die Zeit nehmen, und sich die Schicksale der geflüchteten Menschen anschauen, anhören, sich erzählen lassen. Am besten persönlich und nicht nur zwischen Tür und Angel. Vielleicht würde er dann eher 69 dieser Menschen zu seinem Geburtstag einladen, Zeit mit ihnen verbringen und ihnen zeigen, was Gastfreundschaft heißt, anstatt sich über ihre Abschiebung zu freuen. Vielleicht hat er dadurch noch einmal die Möglichkeit seinen eigenen Horizont zu erweitern. Das alles geht ohne Angst, man muss nur aus seinem kleinen Kämmerlein hervorkommen und das Leben und die Welt begrüßen.

Und wenn es so nicht klappt, hilft vielleicht die Beantwortung einer (rhetorischen) Frage die K.I.Z. in ihrem Track „Boom Boom Boom“ aufgeworfen haben: »Denkt ihr, die Flüchtlinge sind in Partyboote gestiegen, mit dem großen Traum, im Park mit Drogen zu dealen?«

Wohnnugsbauprogramm mal anders…

Wohnungsbauprogramm mal anders…

Nicht nur der Wohnungsmarkt in Großstädten ist angespannt, auch der natürliche Wohnungsmarkt fällt immer mehr der Flurbereinigung und dem Wegfall von natürlichen Strukturen und Lebensräumen zum Opfer. Knicks verschwinden, Flächen werden versiegelt, Bäume gefällt, viel Platz bleibt da nicht mehr für die vielen Lebewesen, die es ähnlich wie uns Menschen in ein Eigenheim bzw. einen sicheren Unterschlupf treibt.

Relativ junge Bäume mit hohen, gleichmäßig und makellos gewachsenen Stämmen freuen den Forstwirt, nicht aber die Tierwelt. Mit den vielen alten, knorrigen, schief und krumm gewachsenen Bäumen, den lebenden wie dem Totholz, sind auch die Bruthöhlen für Vögel und Insekten verschwunden, das Schönheitsideal der aufgeräumten Wälder lässt keinen Spielraum für umgeknickte oder abgebrochene Äste/Bäume. Durch den Bruch entstehende Spalten werden z. B. gern von Fledermäusen als Sommerquartiere genutzt, auch diese sind außerhalb von Naturwäldern fast gänzlich verschwunden.

Also muss der Mensch nachhelfen, um zumindest einiges wieder gut zu machen, was dem Profitstreben oder dem Ordnungswahn zum Opfer gefallen ist. Das haben wir getan, und im Bereich der Schwentine in Klausdorf verschiedene Nisthilfen aufgehängt. Für kleinere Vogelarten bis hin zur Schellente, bieten sie auch Fledermäusen Unterschlupf. Im Winter werden wir diese kontrollieren, reinigen und für die nächste Saison startklar machen. Zusätzlich werden dann an anderer Stelle weitere Nisthilfe installiert.

Sozialer Wohnungsbau für Tiere quasi. Macht auch Spaß!

Zeitungsartikel: Kieler Nachrichten, Merle Schaack

Deutsche Waffen, deutsches Geld…

…morden mit in aller Welt!

Dieser Slogan, der dem Geist der 68er entsprungen ist, ist aktueller denn je.

Deutsche Rüstungskonzerne wie zum Beispiel Rheinmetall machen den großen Reibach, mit Leid und Tod und Krieg in aller Welt. Und die großen und kleinen Aktionäre dieser Unternehmen freuen sich über gute Renditen. Wahrscheinlich sind es auch genau diese Menschen, die sich im Umkehrschluss über zu viele Flüchtlinge aus Krisengebieten beschweren und was es den deutschen Steuerzahler koste, den Geflüchteten zu helfen. Auf der einen Seite wird bei Unternehmen und Aktionären der Profit eingestrichen, auf der anderen Seite schafft man ständig neue Fluchtursachen und sieht sich nicht in der Verantwortung. Ekelhafte Doppelmoral, und das auch noch politisch gestützt.

Wenn man sich mal anschaut, wer in den letzten Jahren, und vor allem aus welchen Ressorts in verantwortungsvolle Position bei Rheinmetall gerutscht ist, Ex-Verteidigungsminister Dr Franz Josef Jung MdB BM a.D. (CDU) zum Beispiel, sitzt jetzt im Aufsichtsrat des Unternehmens, dessen Chef-Lobbyist mittlerweile Ex-Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) ist, wundert man sich wenig über die bisher eher nicht stattfindenen Versuche der Bundesregierung, den Handel deutscher Firmen mit Kriegswaffen in Krisengebiete zu unterbinden. Das System ist offensichtlich, selbst wenn die betreffenden Unternehmen mit Zweigfirmen im Ausland sitzen und in Italien, Südafrika oder sonstwo produzieren, fließen die Gewinne aus diesen blutigen Geschäften doch letztendlich nach Deutschland, wo man Krieg zwar nicht so dolle findet, die Rendite aber gerne mitnimmt. Ist ja alles weit weg…

Es gibt dazu, im speziellen zum Geschäftsgebahren von Rheinmetall und seinen Tochterunternehmen, gerade eine enthüllende Doku in der ARD-Mediathek, die sich jede*r mal ansehen sollte, insbesondere auch die Leute, die wie ich, in meinem Fall von der Förde Sparkasse, Fondsanteile der Investmentgesellschaft der DekaBank angeboten bekommen. Die Deka listet in ihren Fonds Rheinmetall und andere Rüstungsfirmen.

Die Doku heißt „Bomben für die Welt“ und findet sich hier:
http://www.ardmediathek.de/…/Die-Story-im-…/Das-Erste/Video…

Bezeichnend auch mal wieder das Schweigen der von uns gewählten Vertreter*innen, allen voran der Mitglieder des Bundessicherheitsrates, dem entscheidenden Gremium, wenn es um Rüstungsexporte geht. Da hilft auch die groß verkündete Meldung von Martin Schulz nichts, dass die SPD in den Sondierungen ein Verbot von Waffenexporten an Länder, die am Krieg im Jemen beteiligt sind (zB Saudi-Arabien), durchgesetzt hat. In der letzten Legislaturperiode war die SPD stets gut im Bundessicherheitsrat vertreten, beispielsweise durch Heiko Maas und Sigmar Gabriel, dort hätte man sich jederzeit für ein Verbot jeglicher Rüstungsgüter einsetzen können, egal ob in Krisenregionen oder sonstwo hin! Jetzt wirkt es eher so, als hätte man in einer SPD-PR-Agentur die oben genannte Doku gesehen und wolle was daraus machen…

In diesem Sinne: Make Love, not war!