Offener Brief an die Mitglieder des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Abfallwirtschaft des Kreises Plön

Offener Brief an die Mitglieder des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Abfallwirtschaft des Kreises Plön

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

wie Sie sich alle sicher noch sehr gut erinnern, haben wir am vergangenen Montag, dem 18. Februar 2019, in der Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Abfallwirtschaft des Kreis Plön (BUA) lange und ausführlich darüber diskutiert, wie man kreisseitig dem Insektensterben und dem damit verbundenen Verlust an Biodiversität entgegenwirken kann. Es wurden also diverse Maßnahmen wie zum Beispiel das Anlegen von Blühstreifen, die Installation von Insektenhotels und die Schaffung neuer Lebensräume an und auf Liegenschaften des Kreises beschlossen. Für das konstruktive Miteinander über alle Fraktionsgrenzen hinweg bei diesem wichtigen Thema möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bedanken!

Nun, nur wenige Tage später, bin ich zutiefst erschüttert. Nicht über die gefassten Beschlüsse, sondern über die Sinnlosigkeit dieser, vor dem Hintergrund eines für mich beispiellosen Vorganges im FFH-Gebiet „Untere Schwentine“.

Wie einige von Ihnen sicher wissen, beschäftige ich mich schon eine ganze Zeit aktiv in der Naturschutz- und Verbandsarbeit (beim NABU Preetz-Probstei/NABU Kreis Plön) und betreibe auch auf eigenen Flächen (zum Beispiel in Klausdorf im FFH-Gebiet „Untere Schwentine“) aktiven Naturschutz. Im letzten Jahr habe ich zusammen mit vielen Kolleginnen und Kollegen aus der Naturschutzarbeit, betroffenen Grundstückseigentümer*innen, Kommunen, Verbänden etc. unter Federführung des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) am Managementplan des v. g. FFH-Gebietes (Teilgebiet Nord) gearbeitet, der schließlich in der Definition der Erhaltungsziele und der Veröffentlichung und damit dem In-Kraft-Treten durch das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume SH (MELUND) mündete.

Eines der wesentlichen Erhaltungsziele von besonderer Bedeutung ist demnach unter anderem der prioritäre Lebensraumtyp Auenwälder mit Alnus glutinosa (Schwarz-Erle) und Fraxinus excelsior (Gemeine Esche) mit der Lebensraumtyp-Codierung 91E0. Dieser Lebensraum zeichnet sich durch naturnahe Weiden-, Eschen- und Erlenwälder in unterschiedlichen Altersphasen und Entwicklungsstufen und ihrer standorttypischen Variationsbreite aus. Dieser besonders artenreiche Biotoptyp gehört zu den in Deutschland durch menschliche Eingriffe am meisten gefährdeten Biotopen. Durch die dort vorkommende, sehr vielfältige Vegetation sind sie Aufenthaltsort und Winterquartier für eine Vielzahl an Tieren wie z.B. vielen Insekten, darunter Osmoderma eremita (Eremit), Amphibien, darunter Triturus cristatus (Kammmolch) und Fledermäusen, wie Myotis dasycneme (Teichfledermaus), allesamt streng geschützte Rote Liste Arten. Nicht zuletzt daher sind diese Lebensräume besonders erhaltens- und schützenswert.

Soviel zur Theorie…

Am der Stadt Schwentinental (OT Klausdorf) gegenüberliegenden Ufer der Schwentine im Bereich Oppendorf/Flüggendorf in einem ca. 18 Hektar großen Waldstück mit der Bezeichnung „Heegholz“ wurde kürzlich eine etwa 1 Hektar große Fläche eben dieses Biotoptyps kahlgeschlagen. Der gesamte Baumbestand, der sich an dieser Stelle durch Weiden, Schwarz-Erlen, Eschen, einige Eichen und Pappeln auszeichnete wurde entnommen. Der gesamte Bereich wirkt, als wenn dort die sprichwörtliche Bombe eingeschlagen ist. Die Schutzfunktionen des Waldes sind an dieser Stelle nicht nur stark beeinträchtigt, sie sind quasi nicht mehr vorhanden. Zudem zieht sich durch diesen und den angrenzenden Bereich eine tiefe und breite Furche, die sog. Rückegasse, welche durch ihre nicht fachgerechte Ausführung (kreuz und quer) noch einmal erheblich zur Zerstörung dieses Biotops und auch der angrenzenden Waldflächen beigetragen hat. Nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Plön (UNB) lag für diese Maßnahme, die weit über eine forstwirtschaftlich vertretbare Einzelbaumentnahme nicht standorttypischer Bäume (Pappeln) hinausgeht, keine wie auch immer geartete Genehmigung vor, weder durch die zuständige Untere Forstbehörde (UFB), noch durch die UNB selbst.

In diesem Zusammenhang stellt sich mir zudem die Frage, wie standortuntypisch Pappeln denn tatsächlich sind. Arten wie die dort entnommene Populus nigra (Schwarz-Pappel) zum Beispiel, gelten gemeinhin als typische Flussbegleiter in den gemäßigten Klimabereichen weiter Teile Europas, sie sind Bestandteil der Auwälder und bilden zusammen mit Weiden und Erlen die sog. Weichholzaue (Salicion albae), die tiefste Auwaldstufe. In der Natura 2000 (europaweites Schutzgebietssystem) Lebensraumtyp-Beschreibung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) unter der Codierung 91E0 ist zudem explizit die Rede von Erlen-, Eschen- und Weichholzauenwäldern an Fließgewässern.

Gem. § 5 (3) Landeswaldgesetz (LWaldG) sind Kahlschläge alle Hiebmaßnahmen, die freilandähnliche Verhältnisse bewirken und damit mindestens zeitweilig zu einer erheblichen Beeinträchtigung von Schutzfunktionen des Waldes führen. Ein Kahlschlag liegt regelmäßig dann vor, wenn der Holzvorrat auf einer zusammenhängenden Fläche von über 0,3 Hektar auf weniger als 60 % des nach gebräuchlichen Ertragstafeln oder bekannter standörtlicher Wuchsleistung üblichen Holzvorrats abgesenkt wird. Ausnahmen vom Kahlschlagverbot gem. § 5 (3) Nr. 1 – 3 LWaldG lagen nicht vor. Ein Kahlschlag wie er auf der vorbezeichneten Fläche durchgeführt wurde, wäre auch gemäß der weiteren Ausnahmeregelung des § 7 LWaldG niemals genehmigungsfähig gewesen. Er wurde demnach illegal durchgeführt.

Zudem stellt der Eingriff einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Kreisverordnung über das Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Schwentinetal im Kreis Plön im Verlauf vom Stadtgebiet Preetz bis an die Stadtgrenze von Kiel“ dar. Der beschriebene Biotoptyp wird in der v. g. Verordnung als bedeutender Bestandteil des LSG beschrieben, demnach ist es u.a. verboten, Ufervegetation und sonstige Feuchtgebiete zu verändern, zu schädigen oder zu beseitigen und Handlungen vorzunehmen, die dem Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes zuwiderlaufen.

Diese Punkte und der Umstand, dass ein solch massiver, nicht fachgerecht durchgeführter und weder den zuständigen Behörden angezeigter, noch von diesen genehmigter Eingriff den Erhaltungszielen und dem Verschlechterungsverbot der FFH- bzw. Natura 2000-Richtlinien völlig widerspricht zeigt, mit welch krimineller Energie wir es in vielen Fällen zu tun haben, denn die Eigentümer von Flächen innerhalb von Schutzgebieten wissen meist ganz genau, wie die Rechtslage ist – und leider auch, mit welch geringen Bußgeldern sie zu rechnen haben. Solche schwerwiegenden Verstöße müssen zukünftig mit Bußgeldern geahndet werden, welche deutlich höher liegen, als die mit der jeweiligen Maßnahme erzielten Gewinne. Nur so, und wirklich nur so, kann die Wiederholungsgefahr minimiert werden. Die für die Verhängung der Bußgelder zuständigen Behörden (in der Regel sind das die Landkreise) müssen in diesem Punkt endlich umdenken. Wir als Selbstverwaltung müssen ihnen aber den Rücken decken. Es kann nicht sein, dass mit dem Handy im Auto während der Fahrt telefonieren höher bestraft wird, als teils massive Umweltverbrechen. Ansonsten führen wir solche Beschlüsse, wie den am Montag im BUA gefassten, weiter ad absurdum!

Wer gibt uns das Recht, weiter Schwellenländer für die Abholzung ihrer Regenwälder zu kritisieren, wenn wir unsere eigene Naturschutzgesetzgebung nicht ernst nehmen?! Auch unsere heimischen Wälder, insbesondere die Auwälder, leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz indem sie große Mengen klimarelevanter Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid (CO2) speichern, sie filtern Sedimente und gelöste Stoffe und halten somit das Grundwasser sauber und sie können große Mengen Wasser zurückhalten und dienen somit als natürlicher Hochwasserschutz. Schleswig-Holstein als waldärmstes Bundesland mit mittlerweile vermutlich gerade mal noch 10% Waldfläche, davon einem verschwindend geringen Bestandteil an echten Naturwäldern, sollte völlig umdenken, sowohl in der Bewirtschaftungsform der Landesforsten, dem Umgang mit den natürlichen Ressourcen, als auch im Umgang mit Umweltverbrechen. Der Kreis Plön sollte hierbei auf Grund seiner exponierten Lage und der Vielzahl schützenswerter Naturräume eine Vorreiterrolle einnehmen, beim Natur- und Umweltschutz, beim Klimaschutz und bei der Verhängung von angemessenen Bußgeldern!

Dennis Mihlan
Vorsitzender
Ausschuss für Bauen, Umwelt und Abfallwirtschaft

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