Volkstrauertag 2018

Heute habe ich zusammen mit unserem 1. Stellv. Bürgermeister, Herrn Stefan Wiese, mit der Pastorin unserer Ev.-Luth. Philippus-Kirchengemeinde, Frau Ebba Stockhausen und vielen Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Klausdorf im Rahmen einer Feierstunde die Kranzniederlegungen zum Volkstrauertag durchgeführt. In diesem Rahmen habe ich im Anschluss an den Gottesdienst eine kurze Ansprache gehalten. Für interessierte gibt es diese hier zum Nachlesen.

„Liebe Schwentinentalerinnen und Schwentinentaler, liebe Gottesdienstbesucher, liebe Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Klausdorf, liebe Gäste,

genau 100 Jahre und eine Woche ist es her, dass der Erste Weltkrieg mit fast 17 Millionen Toten sein bitteres Ende fand. Das sinnlose Töten in Europa und vielen anderen Teilen der Welt brachte am Ende nur Leid und Trauer und riss einen tiefen Graben durch Europa, was sich knapp 20 Jahre später in einem bis dato unvorstellbar erscheinenden Gräuel rächen sollte.

Dem Ende des Ersten Weltkrieges vorausgegangen war, gar nicht weit von hier entfernt, der Kieler Matrosenaufstand. Was am 29. Oktober 1918 mit ausgedehnten Befehlsverweigerungen von Matrosen der deutschen Hochseeflotte begann, die in der militärisch ausweglos gewordenen Situation nicht weiter sinnlos als buchstäbliches Kanonenfutter verheizt werden wollten, löste am 3. November 1918 den Matrosenaufstand in Kiel aus. Aus dem Aufstand entwickelte sich die Novemberrevolution die den Sturz der Monarchie, den Friedensschluss und die Ausrufung der Republik in Deutschland zur Folge hatte.

Zu einem Zeitpunkt, in der die Demokratie in Deutschland erste Blüten trug, etablierten sich in vielen Staaten Europas autoritäre und faschistische Regime. Schnell musste man sich bewusst werden, dass viele aus dem Schrecken des Krieges nichts gelernt hatten. Nicht lange dauerte es, da wurden auch in Deutschland wieder nationalistische Töne laut, erst von der Schmach von Versaille, dann von der Herrenrasse.

Wie das 1945 endete, wissen wir alle, einige wenige von Ihnen haben es vielleicht noch miterlebt. Ein Krieg, der mit seinen Folgen bis zu 80 Millionen Menschen das Leben kostete. Das wäre fast die gesamte deutsche Bevölkerung heute. Und dennoch nur ein Krieg, aus einer langen Reihe kriegerischer Auseinandersetzungen. Knapp 455 Millionen Menschen verloren bei den 100 tödlichsten Gewaltakten der Weltgeschichte ihr Leben. Warum?

Nun leben wir seit über 70 Jahren in Frieden, zumindest in unserem Teil der Welt. Konnten uns ein sozial und wirtschaftlich weitestgehend stabiles Umfeld schaffen. Dennoch schüren auch wir die Feuer dieser Welt weiter. Als viertgrößter Waffenexporteur der Welt hat der 68er Slogan „Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt“ nie an Aktualität verloren. Und liebe Gäste, wer Waffen exportiert, muss sich über Flüchtlinge nicht wundern. So lange wir weiter Waffen in die Krisenregionen dieser Welt liefern, und damit Leid und Tod in fremde Länder bringen, so lange dürfen wir uns über keinen einzigen Menschen beschweren, der in unser Land kommt, um hier, genau wie wir, in Frieden zu leben. Auch deutsche Rüstungskonzerne machen den großen Reibach, auch deutsche Regierungen legitimieren das, und schaffen somit ständig neue Fluchtursachen.

Im Krieg verlieren immer alle!

Und heute? Auch heute werden wieder nationalistische Töne angeschlagen. Auch heute halten sich in vielen Ländern Europas wieder viele für ethnisch wertvoller. Erinnerungen an die Herrenrasse werden wach. Durch Populisten und Rechtsextreme werden wieder Ängste geschürt, vor allem und jedem. Es wird gegen Flüchtlinge gehetzt, gegen die Presse, gegen die Regierungen, gegen die Kirchen. Natürlich befindet sich unsere Gesellschaft in einem Wandel, sie wird globaler. Und es ist nachvollziehbar, dass einige Menschen damit Probleme haben, und es ihnen Angst macht. Aber Gesellschaften haben sich schon immer gewandelt, man kann dem offen begegnen, oder sich verschließen, man kann an dem Gelingen mitarbeiten, oder sich entziehen, aber aufhalten kann man den Wandel damit nicht. Das hat noch niemals geklappt. Gehen Sie offen auf Ihre Mitmenschen zu, reichen Sie sich die Hand, hier, und draußen in der Welt. Helfen Sie den Frieden zu bewahren, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.“

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