Schlachthaus Färöer

Das Schlachten im Nordatlantik geht weiter. Nach einer Erhebung von Sea Shepherd UK haben in den letzten 10 Jahren ca. 7.700 kleinere Meeressäuger, im Wesentlichen Grindwale (Globicephala melas), Weißseitendelfine (Lagenorhynchus acutus), Nördliche Entenwale (Hyperoodon ampullatus) und Große Tümmler (Tursiops truncatus) beim traditionell begründeten „Grindadráp“ auf den Färöer unter grausamen Bedingungen ihr Leben verloren. Nach aktuellen Hochrechnungen sollen es in den vergangen 50 Jahren bis zu 60.000 Wale gewesen sein, die in den blutgetränkten Fjorden der Färöer in Volksfeststimmung brutal abgeschlachtet wurden. Darunter auch immer wieder Jungtiere, wie aktuelle Bilder zeigen.

Nachdem eine Grindwalschule gesichtet und per Mobilfunk alle entsprechenden Menschen aktiviert wurden, werden die bis zu 300 Tiere mit Motorbooten in eine Bucht getrieben und dort mit Hilfe des sogenannten „Mønustingari“ getötet. Dabei werden ihnen das Rückenmark im Nacken und die Halsschlagader durchtrennt. Falls die Wale nicht nah genug an den Strand gelangen, steckt man Ihnen einen Fanghaken, das „Blásturongul“ ins Blasloch und zieht sie an den Strand, bevor auch ihnen der halbe Kopf abgeschlagen wird. Es gibt hierzu einen Wiki-Artikel (https://de.wikipedia.org/wiki/Grindadr%C3%A1p) der u. a. auch die Pro- und Gegenargumentationen zitiert, bei den Pros wird zum Beispiel auch das Prestige als Nation der Färinger genannt. Man(n) fühlt sich beim Grindadráp als richtiger, echter Färinger. Gruselig wenn man sich international mit so einem grausamen Schauspiel brüstet…

Zum Grindadráp bringt man dann gern die ganze Familie mit. Kinder posieren an und auf ausgebluteten Walen und es werden Fotos fürs Familienalbum geschossen, so wird sichergestellt, dass die Tradition auch auf die nächste Generation vererbt wird, die natürliche Hemmschwelle, mit dem Mønustingari zuzuschlagen wird so schon im Kindesalter wegtrainiert.

Klar kann und muss man einen Vergleich zu Schlachthäusern überall auf der Welt ziehen. Tiere sind oft nur noch zu einer Handelsware deklassiert, ein Tierleben ist außer bei unseren Haustieren und dem ein oder anderen Wildtier nicht mehr allzu viel wert. Meist nur noch den aktuellen Kilopreis des fertig verarbeiteten Fleisches. Ein Leben sollte immer denselben Wert haben. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen Wild- und Nutztieren. Letztere werden gezielt gezüchtet um den maßlosen Fleischhunger der Menschen zu stillen, wobei auch ein großer Teil der tierischen Produkte wieder an andere Tiere verfüttert wird, um diese dann wieder an uns zu verfüttern. Wildtiere hingegen unterliegen zum einem dem Druck, in immer kleineren Lebensräumen klarzukommen und haben mit den Folgen von Umweltverschmutzung und der Zerstörung der Natur zu kämpfen. Der Jagddruck ist ein zusätzlicher Faktor, dem diese ausgesetzt sind, und hier geht es knallhart um das Überleben von ganzen Spezies. Nutztierrassen, zumindest die heutigen industriellen Rassen drohen nicht auszusterben, bei einigen wäre es vermutlich sogar der bessere und weniger qualvolle Weg, wenn sie es einfach tun würden. Bei den Wildtierrassen sieht es schon ganz anders aus. Die Zahl der Arten, die seit dem Auftauchen des Menschen auf unserem Planeten von der Bildfläche verschwunden sind schätzen Wissenschaftler auf 500 Millionen (nicht Tiere, sondern Arten!), was ungefähr 99 Prozent aller Tierarten ausmacht. Das ist nicht immer absichtlich durch Jagd oder Lebensraumvernichtung geschehen, aber auch durch die Einschleppung fremder Arten und dem damit verbundenen Schwund der natürlichen Fauna hat der Mensch indirekt damit zu tun. Ein unglaublicher Verlust an Biodiversität. Und da sind wir wieder bei dem Problem mit der Jagd auf Wale. Wale egal welcher Art standen schon immer ganz oben auf dem Wunschzettel der Jagenden, am prominentesten sicher die großen Wale. Die Literatur ist voll mit romantischen Erzählungen von Walfängern, wie zum Beispiel bei Moby Dick. So wie es früher, insbesondere bei Inselstaaten wie den Färöer berechtigt gewesen sein mag, Wale zum Verzehr und zur anderweitigen Nutzung zu fangen, zu töten und weiterzuverarbeiten, so ist es heutzutage schlicht nicht mehr notwendig und zu einer verklärten Tradition geworden.

Fast überall auf der Welt unterliegen Wale strengen Schutznormen, die Bestände erholen sich nur langsam, da die Verschmutzung der Meere und andere Emissionen ihnen immer noch schwer zusetzen. Wale massenhaft abzuschlachten, wie es beim Grindadráp der Fall ist, nur um sich als echte Färinger zu fühlen ist nicht mehr zeitgemäß. Die Waljagd wird übrigens regelmäßig von der dänischen Marine geschützt.

Man solle sich mal vorstellen, man hätte beispielsweise Fiete, den Delfin der sich im letzten Jahr einige Monate lang in der Kieler Förde einquartiert hatte, in die Heikendorfer Bucht gedrängt, ihm ein Blásturongul in sein Blasloch gesteckt, ihn damit an den Strand gezogen um ihm dann mit einem Mønustingari den Kopf fast gänzlich abzuschlagen. Dann wären die Bewohnerinnen und Bewohner der Bucht gekommen, mit ihren Kindern, und hätten Erinnerungsfotos gemacht. Sitzend auf dem ausgebluteten Delfin, vor der Kulisse einer sich rot färbenden Förde. Und dann würde man sich als echter Schleswig-Holsteiner fühlen…

Sea Shepherd UK ist mittlerweile bereit, den Färöer Inseln 1 Million Euro zu zahlen, in jährlichen Summen von je 100.000 Euro, wenn diese bereit sind, auf die Waljagd gänzlich zu verzichten. Es ehrt diese Organisation und wenn es hilft, ist es besser als nichts, immerhin schützt es dann im Ergebnis die Tiere. Aber wie krass ist denn der Umstand an sich, dass Organisationen und/oder Verbände, die sich für den Schutz der Tiere einsetzen, viel Geld dafür zahlen (wenn es denn angenommen wird), dass sinnlose und blutige Traditionen ausgesetzt werden?!

Mehr Infos und Bilder zu den schrecklichen Tötungsexzessen gibt’s unter www.seashepherd.org.uk Den deutschen Ableger findet man unter www.sea-shepherd.de oder auf den entsprechenden Facebook-Sites.

Beitragsbild: Alle Rechte bei Sea Shepherd UK // featured image: All rights by Sea Shepherd UK

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