Humanität. Fremdwort? Nur bei Horst!

»Mitgefühl ist die Grundlage jeder Moral« sagte einmal Arthur Schopenhauer, deutscher Philosoph und Verfechter einer klaren, einfachen und pragmatischen Ethik. In diesem Kontext, dürfte ein Horst Seehofer, unser allseits geliebter und geschätzter Bundesinnen- und -heimatminister, nicht viel mehr sein als ein Mensch dem jegliche Moral abgeht, wenn er sich mit einer unverkennbaren Genugtuung darüber freut, dass ausgerechnet an seinem neunundsechzigsten Geburtstag 69 Menschen nach Afghanistan zurückgeführt werden. Aber auch ohne den schopenhauerschen Kontext bleibt bei unserem Horst nicht viel übrig, was nach Moral und/oder Mitgefühl aussieht. Der rechte Flügel der CSU wird applaudieren, darüber und vielleicht auch über den „Masterplan Migration“, obwohl der nach einigen Kompromissen entschärfte Plan vielen aus der angebräunten Ecke nicht weit genug gehen dürfte.

Maßnahmen zur Ordnung, Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung. Mit diesem bürokratisch formalen Untertitel beschreibt sich das Werk zunächst einmal selbst. So viel, so gut. Oder auch nicht.

Von einem Masterplan erwarte ich aber etwas anderes. Ich erwarte eine ganzheitliche Lösung die sich nicht nur damit beschäftigt, Migration auf ein Minimum zu beschränken, zu ordnen oder zu verhindern, sondern Migrationspolitik unter humanen Gesichtspunkten zu gestalten. Und Humanität bedeutet nicht, dass ich die Grenzen aufmachen und alles und jeden unkontrolliert nach Europa oder Deutschland lassen möchte, vielmehr bedeutet es aber, dass ich verdammt noch mal keine Menschen im Mittelmeer oder sonst wo sterben lassen möchte, dass ich keine schmutzigen Deals mit Libyen machen möchte, bei denen die Geflüchteten von der libyschen Küstenwache oder irgendwelchen angeheuerten Unmenschen über Bord geworfen, geschlagen, gefoltert und/oder gepeinigt werden. Bei denen die Angehörigen erpresst werden und dafür zahlen sollen, dass ihre Familienmitglieder wieder freigelassen werden.

Genau das befeuern wir aber mit einem Masterplan, der sich mehr mit dem Verhindern, als mit dem Menschlichen befasst. Nichts spricht gegen eine geordnete und auch nicht viel gegen eine begrenzte Migration. So ein Fiasko wie 2015 wollen wir nicht noch einmal erleben, die chaotischen Zustände und eine vielfach unkontrollierte Einreise haben nicht nur das System, sondern auch viele der hier lebenden Menschen überfordert, verunsichert, beunruhigt. So unvorbereitet darf es uns nicht noch einmal treffen. Ohne die unendlich große Hilfsbereitschaft von zehntausenden freiwilligen und vor allem ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, ob privat, in örtlichen, landes- oder bundesweiten Initiativen oder NGOs, wäre die Situation sicher anders verlaufen. Hier muss man sich mit einem echten „Masterplan Migration“, einem der den Namen auch verdient, viel besser, viel professioneller aufstellen, um vorbereitet zu sein, auf das was noch kommen mag. Ob durch Klimawandel, Umweltzerstörung oder Flucht vor Krieg, Repressionen, Mord oder Folter. In vielen Fällen schüren wir durch unsere Waffenexporte und nicht zuletzt auch durch unseren Konsum immer neue Krisenherde in der Welt. Ob man es hören will oder nicht, daraus ergibt sich auch ein Verpflichtung, allen diesen Menschen gegenüber, die durch unser Handeln, direkt oder indirekt, ihre Heimat verlieren, ihre Sicherheit, ihre Gesundheit, ihre Lebensgrundlage. Ein solcher Masterplan muss unserer Verantwortung in der globalisierten Welt gerecht werden, der einer aufgeklärten Gesellschaft, die enorm von der Situation der Menschen vor Ort profitiert, in den Regionen aus denen sie sich auf die Flucht in „den Westen“ begeben. Das sollte jeder einmal für sich selbst reflektieren…

Bei Horst ist bei dem Wort „reflektieren“ sicher schon eine Grenze erreicht, vermutlich die des Möglichen. Entweder ist Herr Seehofer ein getriebener seiner erzkonservativen Wählerschaft oder sein Fokus beschränkt sich auf einen kleinen Karton ohne Löcher, den er auf seinem Kopf trägt.

Die vermeintlich tragenden Säulen der CSU, das C für christlich und das S für sozial, scheinen nunmehr nur noch Schmuckwerk zu sein, mit dem man sich gerne schmückt, weil es so gut aussieht und so gut klingt. Denn unter sozialen und erst recht unter christlichen Gesichtspunkten ist die Politik, die dort gemacht wird, nicht zu rechtfertigen. Vielleicht sollte Horst sich mal die Zeit nehmen, und sich die Schicksale der geflüchteten Menschen anschauen, anhören, sich erzählen lassen. Am besten persönlich und nicht nur zwischen Tür und Angel. Vielleicht würde er dann eher 69 dieser Menschen zu seinem Geburtstag einladen, Zeit mit ihnen verbringen und ihnen zeigen, was Gastfreundschaft heißt, anstatt sich über ihre Abschiebung zu freuen. Vielleicht hat er dadurch noch einmal die Möglichkeit seinen eigenen Horizont zu erweitern. Das alles geht ohne Angst, man muss nur aus seinem kleinen Kämmerlein hervorkommen und das Leben und die Welt begrüßen.

Und wenn es so nicht klappt, hilft vielleicht die Beantwortung einer (rhetorischen) Frage die K.I.Z. in ihrem Track „Boom Boom Boom“ aufgeworfen haben: »Denkt ihr, die Flüchtlinge sind in Partyboote gestiegen, mit dem großen Traum, im Park mit Drogen zu dealen?«

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s