Alfred’s Eck ist weg!

Wieder mal hat es einen Hektar Wald erwischt, dieses Mal ganz in der Nähe: das Waldstück am sogenannten Alfred’s Eck in Oppendorf (Schönkirchen).

Die bisher überwiegend mit Eschen, Kiefern, Douglasien und einigen Kiefern bestandene Fläche entlang der Kiebitzbek, einer Nebenverbundachse im landesweiten Biotopverbundsystem, wurde abgeräumt. Ein paar einzelne, traurige Nadelbäume durften stehen bleiben, der Rest wurde fachmännisch zerlegt und wartet akkurat sortiert auf die Abholung.

Nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde des Kreis Plön waren die Eschen abgängig, die Altfichten durch Käferbefall und Windwurf stark ausgelichtet. Demnach erfolgten die durch die Untere Forstbehörde genehmigten Hiebmaßnahmen aus Kalamitätsgründen bzw. aus Gründen der Verkehrssicherung. Das kranke oder umsturzgefährdete Bäume im Bereich von Straßen und Wegen entfernt werden müssen, um keine Menschen zu gefährden, ist einleuchtend und nachvollziehbar, und zudem rechtlich zulässig (§ 5 Absatz 3 Nummer 2 Landeswaldgesetz (LWaldG) „aus Gründen der Verkehrssicherung“) warum gleich die gesamte Fläche zum Kahlschlag freigegeben wurde, ist damit jedoch nicht zu erklären.

Ein Wald ist immer auch Lebens- und Rückzugsraum vieler Tiere. Erst recht zu Beginn der kalten Jahreszeit. Unter nachhaltigen Aspekten, insbesondere der Rücksichtnahme auf die Tierarten, die sich zur Überwinterung bereits in den Wald zurückgezogen haben oder diesen im Winterhalbjahr als Lebensraum nutzen, wäre eine sukzessive Waldbewirtschaftung das Mittel der Wahl gewesen. Grundsätzlich, so auch die Rechtslage, darf ein Kahlschlag nur unter ganz bestimmten Gründen erfolgen, u. a. wenn er einer gesicherten Verjüngung des Baumbestandes dient (§ 5 Absatz 3 Nummer 1 LWaldG). Eine gesicherte Verjüngung definiert sich aber darüber, dass bereits Verjüngung vorhanden ist, junge Bäume also stehen bleiben und nur die alten Bäume aus der Fläche genommen werden. Das ist hier aber nicht der Fall, die Fläche ist jetzt Plan, falls es jungen Baumbestand gab, ist dieser gleich mit verschwunden. Es gibt für die Tiere also keine Möglichkeit, innerhalb der Fläche auszuweichen.

Eine weitere, gesetzlich zulässige Möglichkeit, ist gem. § 5 Absatz 3 Nummer 3 LWaldG gegeben, wenn aufgrund von Brand oder Naturereignissen wie Sturmschäden oder Schädlingsbefall der Baumbestand stark angegriffen und/oder gefährdet ist. Diese Gründe wurden wie oben bereits aufgeführt zur Genehmigung des Kahlschlages herangezogen. Ich habe mir die ordentlich abgelagerten Stämme mal angeschaut und habe sowohl bei den Laubhölzern, als auch bei den Nadelhölzern fast ausschließlich vitales und qualitativ hochwertiges Holz entdecken können. Nur sehr wenige Stämme wiesen überhaupt Beeinträchtigungen auf. Ich erachte diese Gründe daher als vorgeschoben. Dazu kann sich aber jeder gern ein eigenes Bild machen, zumindest mit Hilfe der Fotos die ich zu diesem Beitrag hochgeladen habe.

Nachdem ich die Bilder als kleinen Fotogruß an die Untere Naturschutzbehörde und die Untere Forstbehörde gemailt habe, habe ich dann auch noch mal direkte Antwort aus Neumünster, dem Standort der Unteren Forstbehörde, bekommen. Neben den Ausführungen zur durchzuführenden Wiederbewaldung nach § 7 Absatz 2 LWaldG )(Wiederaufforstung mit einem überwiegenden Anteil standortheimischer Baumarten, in diesem Falle mit 80% Buchen) die natürlich begrüßenswert ist, wobei es natürlich Jahrzehnte dauern wird, bis der Wald dann wieder die ökologische Wertigkeit hat, die er zuletzt hatte (auch wenn zu erwarten ist, dass die Qualität des Waldes auch in puncto Biodiversität letztendlich besser wird als vorher – wäre ein moderater Umbau des Waldes deutlich ökologischer gewesen), habe ich dann auch noch weitere Informationen zur Genehmigung des Kahlschlages bekommen. Das eine Genehmigung auch erfolgen kann, wenn überwiegende öffentliche Interessen den Kahlschlag erfordern (§ 7 Absatz 2 LWaldG), war mir bekannt, dass aber die „Sicherung des wirtschaftlichen Nutzens des Holzes vor weiterer Entwertung“ bzw. die „Sicherung des Rohholzes vor weiterem Wertverlust“ darunter definiert werden, erscheint mit sehr weit hergeholt. Die wirtschaftliche Verwertung des Holzes liegt wohl eher explizit im privaten Interesse der Waldbesitzerin bzw. des Waldbesitzers, schließlich werden dadurch ausschließlich ihre oder seine Taschen gefüllt. Ein überwiegendes öffentliches Interesse liegt vielmehr darin, von den kümmerlichen 11% Wald, die wir in Schleswig-Holstein noch haben, so viel wie möglich zu erhalten, bzw. die Fläche deutlich zu erhöhen.

Der Kahlschlag war also genehmigt, rechtlich lässt sich da nichts machen. Vielleicht sollten sich aber sowohl die Untere Naturschutzbehörde, als auch die Untere Forstbehörde noch ein Stück weit mehr sensibilisieren, auch was die Signalwirkung von solchen Genehmigungen angeht. Viele Bürger*innen sind von solchen Maßnahmen entsetzt und stehen völlig hilflos daneben, wenn ihr gewohntes und Umfeld dermaßen zerstört bzw. umgestaltet wird. Viele Menschen leben teilweise ihr ganzes Leben mit solchen Wäldern und Waldstücken in der Nachbarschaft, kaum jemand von ihnen wird es erleben, dass dort wieder ein so hochgewachsener Wald steht. Von der Fauna, deren Habitat gänzlich verschwindet, mal ganz zu schweigen…

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